102 Die Apperzeption. Das Gesetz der vereinheitlichenden und ebenso das der unter¬ ordnenden Apperzeption ist ein Gesetz der psychischen Kr a ft- ersparnis. Beide haben im übrigen entscheidende Bedeutung auf allen Gebieten des psychischen Lebens. An dieser Stelle sei einstweilen speziell hingewiesen auf ihre Bedeutung für das Ge¬ dächtnis. Die gedächtnismäßige Einprägung eines Ganzen oder eines Zu¬ sammenhanges setzt zunächst voraus, daß ich die Teile apperzeptiv zueinander hinzunehme, also nicht einen über dem anderen verliere, sondern sie zumal festhalte, und in mir zum simultanen Ganzen zusammenschließe. Soll aber nicht das Ganze in der Erinnerung zerfließen, und nur ein Totaleindruck übrig bleiben, so ist gleich¬ zeitig erforderlich, daß das Einzelne die psychische Kraft in ge¬ wissem Grade beansprucht, oder eine gewisse eigene psychische Größe sich bewahrt. Die Möglichkeit nun, ein Vielfaches in der bezeichneten Weise zusammenzufassen, ist begrenzt. Daher die Zahl der wiederholten Auffassungen, die zur Einprägung eines Zusammenhanges, etwa einer Reihe von Silben, erforderlich ist, mit der Zunahme der Zahl der Elemente, in dem speziellen Falle der Silben, rasch zunimmt. Dabei ergibt sich aber zugleich dies : Der Zusammenschluß von Teilen zu untergeordneten Einheiten, der Silben zu sinnvollen Worten, und weiter der Worte zu Sätzen, erleichtert die Arbeit der Einprägung wesentlich, so daß die Einprägung einer Anzahl von mehrsilbigen Worten nicht erheblich viel mehr Wiederholungen er¬ fordert, als die Einprägung einer gleichen Zahl von Silben, die keinen sinnvollen Zusammenhang ergeben. Hier zeigt sich sehr deutlich die Wirkung der Kraftersparnis durch die Vereinheitlichung. Weiter aber erweist sich vor allem als für die Einprägung günstig jene einfach oder in Stufen sich vollziehende »Differenzierung eines Gemeinsamen«, im Verein mit der monarchischen Unterordnung der Einheiten unter betonte Elemente. Der Grund ist der oben be- zeichnete, nämlich daß hier gleichzeitig einerseits dem Bedürfnis der Vereinheitlichung dessen, was zumal aufgefaßt werden soll, und zwar in doppelter Weise, entsprochen wird, andererseits doch Teile zu relativ selbständigen Teilganzen sich zusammenschließen und eine in den herrschenden Punkten gesteigerte, selbständige Eindrucks-