134 Erster Abschnitt. Über das Wesen der Tiefenwahrnehmung. auf die Einstellung der sinnlichen Aufmerksamkeit zurückzu¬ führen. Noch direkter vergleichbar mit den hier in Rede stehenden Phänomenen sind die von Dearborn1 beobachteten Einstellungserscheinungen bei Augenbewegungen. Wird zuerst eine längere, dann eine darunter befindliche kürzere Zeile gelesen, so findet im letzteren Falle noch eine unnötige Fixationsbewegung statt. Dafs diese Einstellung der sinnlichen Aufmerksamkeit sich nicht nur unmittelbar nach dem Verschwinden des einstellenden Anlasses geltend macht, vielmehr den letzteren oft lange über¬ dauert, geht auch aus Beobachtungen hervor, welche — gleich¬ falls von Schumann — bei Gelegenheit tachistoskopischer Ver¬ suche angestellt worden sind. Wurden mehrere Tage hindurch 10 Buchstaben und am nächsten Tage nur 4 Buchstaben tachisto* skopisch exponiert, so wurde im letzteren Falle wiederum zu¬ nächst ein zu grofses Stück herausgeschnitten. Es ist hiernach verständlich, dafs man die Objekte, wenn man sie öfter infolge durchweg gesteigerter Quer disparation unter ausgiebigerer Wanderung der Aufmerksamkeit betrachtet hat, später auch dann mit ausgiebiger schweifendem Blick und ent¬ sprechendem Verhalten der Aufmerksamkeit perzipieren wird, wenn eine über die Norm gesteigerte Quer disparation nicht ge¬ geben ist. Unsere Versuche an Glühfäden lehren ja, dafs der Grad der Ausgiebigkeit des Wanderns durch den Grad der Querdisparation nicht eindeutig bestimmt ist, und sie tun ferner dar, dafs die qualitative Deutlichkeit und der quantitative Betrag des Tiefeneindrucks nach Mafsgabe der Ausgiebigkeit des Wanderns zunimmt. Die Einstellung, die die Wanderung der Aufmerksamkeit und des Blickes durch die Benutzung des Telestereoskops erfährt, wird also zur Folge haben, dafs späterhin ein bestimmter Grad von Querdisparation zu ausgiebigerer und frequenterer Wanderung Anlafs gibt als es früher der Fall war, und dafs darum die Tiefenwahrnehmung, sowohl nach Quantität wie nach Qualität, überhaupt deutlicher wird. Ganz Entsprechendes hat sich mir stets bei den oben ge¬ schilderten Beobachtungen ferner Gegenstände aufgedrängt. Hatte ich das ursprünglich flach erscheinende Objekt durch absichtliche 1 Ich entnehme auch diesen Hinweis der genannten Vorlesung von G. E. Müller.