70 Erster Abschnitt. Uber das Wesen der Tiefenwahrnehmung. Die herkömmliche Deutung des P. Ph. vermag also den Einzelheiten der Beobachtungserscheinungen keineswegs gerecht zu werden, und wir sind daher genötigt, nach einer befriedigenderen Interpretation zu suchen. Bei der ursprünglichen Form des PANUMschen Versuches ist es unter allen Umständen die innere, nach der Medianebene oder Nase der Vp. zu gelegene Linie, welche hervortritt; wird ab¬ wechselnd a mit c, und b mit c verschmolzen, so mufs der Kon¬ vergenzaufwand gesteigert oder vermindert werden, je nachdem man von der Verschmelzung der ersten Art zu derjenigen der zweiten Art, oder im umgekehrten Sinne, übergeht. Es liegt daher nahe, versuchsweise die Hypothese aufzustellen, der Tiefen¬ eindruck beim PANUMschen Phänomen komme dadurch zustande, dafs die Aufmerksamkeit, und damit die Fixations¬ absicht, zwischen b‘ und al hin- und herwandert. Dafs ein solches Wandern der Aufmerksamkeit und der Fixationsabsicht unter den Bedingungen des PANUMschen Ver¬ suches auftreten kann, scheint von vornherein verständlich. Wird der Einzelfaden c mit dem Faden b des Paares verschmolzen, so werden die korrespondierenden Netzhautstellen, auf denen sich c, bzw. b abbildet, in übereinstimmender Weise gereizt; dagegen erfahren diejenigen Netzhautstellen, auf denen sich in dem einen Auge a abbildet, und die korrespondierenden Stellen des anderen Auges keine übereinstimmende Reizung. Nicht übereinstimmende Reizung korrespondierender Stellen sucht das Auge aber zu ver¬ meiden, und im vorliegenden Falle kann sie nicht anders ver¬ mieden werden, als durch Erteilung eines Impulses, welcher das Bild von a auf die Stelle bringt, die dem Netzhautbild von c kor¬ respondiert, d. h. auf die Makula. Es wird also eine Veränderung der Fixationsabsicht, eine Wanderung der Aufmerksamkeit er¬ forderlich. Hat man zuerst a mit c verschmolzen, und leistet man nun der Tendenz, welche auf die Verschmelzung von b und c hindrängt, Folge, so wird ein Konvergenzimpuls, sowie eine entsprechende Änderung der Fixationsabsicht und eine ent* •sprechende Aufmerksamkeitswanderung notwendig ; geht man von der Verschmelzung von b und c zur Verschmelzung von a und c über, so wird ein „Divergenzimpuls“1 erforderlich. 1 Es bleibt hier zunächst gänzlich dahingestellt, ob es sich dabei nur um ein Nachlassen des Konvergenzimpulses oder um einen neuen Vorgang, mnen besonderen Impuls zur Divergenz, handelt.