Methoden der Psychologie des Gefühlslebens 1609 auch gefragt werden: was macht die entsprechenden Gefühls- zustände zn sittlichen. Wir können nns hier knrz fassen. Die sittlichen Gefühle nnd sittlichen Urteile sind nach W ester- march ansgezeichnet dnrch das Moment der Unparteilich¬ keit oder besser : der Überzengnng des die sittliche Stellung¬ nahme Vollziehenden von der Unparteilichkeit der Stellungnahme. Sodann erheben sittliche Stellungnahmen den Anspruch auf Allgemeingültigkeit im Gegensatz zu persön¬ lichen Bachegefühlen und persönlichen Dankbarkeits¬ gefühlen. Wir wenden uns jetzt einer Materie zu, welche uns längere Zeit beschäftigen muß : den allgemeinen Bestimmungen über die Entstehung der sittlichen Gefühle. III. Allgemeine Bestimmungen über die Ent¬ stehung der sittlichen Gefühlsregungen an Hand völkerpsychologischer Tatbestände. SympathieundZuneigung. Sitte in Beziehung zur Sittlichkeit. 1. Für die Entstehung uneigennützigen Verhaltens nimmt W ester march, ähnlich wie Bihot, Sympathie und Z u~ neigung in Anspruch, aber so, daß aus Mitgefühl allein keine sittlichen Handlungen hervor¬ gehen sollen, sondern nur, wenn Sympathie zu¬ sammenwirkt mit Zuneigung! Mitgefühl, Sympathie entsteht, wie schon Hume erkannt hat, einmal durch Wahrnehmung der körperlichen Begleiterscheinungen von Leid und Freude bei anderen und sodann durch Wahrnehmung der Ursachen, welche auf einen anderen wirken, in ihm Freude oder Leid erzeugen. In beiden Fällen wirken hier natürlich Asso¬ ziationen. Hach Hume ist in dieser Sympathie eine selbständige Quelle selbstlosen Handelns ge¬ geben, indem die Unlust beim Mitleid den treibenden Faktor für Hilfeleistung darstellen kann; wir würden sagen, das geschieht dann, wenn von der Unlust, aus dem Mitleidsgefühl sich uns auf¬ drängt die Vorstellung einer Handlung, welche geeignet erscheint, das fremde Leid zu mildern oder aufzuheben. Mitfreude kann aber selbstlose Handlungen auslösen, wenn wir sympathisieren mit dem Lustaffekt, von dem wir wissen, daß er durch eine bestimmte Handlung von uns in anderen ausgelöst wird. Dann haben wir den Tatbestand vor uns, daß diese gedachte Handlung von uns sich mit Lust verbindet. Schließt sich aber, so sahen wir, an eine gedachte Handlungsweise von uns Lust an, so ist damit eine Tendenz zur Bealisierung dieses Handelns gesetzt.