Methoden der Psychologie des Gefühlslebens 1597 vollen herabgesetzt wird, daß der Fing der Wölkchen als etwas anfgefaßt wird, was dem Wehmntsvollen analog ist in einer niederen Stufe des Daseins. Das Wehmutsvolle bleibt hier viel¬ mehr, was es ist ; es wird gar nicht anf das Objekt durch Verschmelzung bezogen, sondern es bleibt auf mich selbst, den ästhetischen Betrachter bezogen: es handelt sich hier darum, daß von dem An¬ schauungsobjekt, dem Flug der Wölkchen, uns durch das Mittelglied des Gedankens an die Vergänglichkeit ein wehmutsvolles Ge¬ fühl aufgedrängt wird! Wir leugnen hier die Verschmelzung des Gefühles mit dem ästhetischen Objekt und damit leugnen wir hier die Einfühlung. Wir können also sagen, daß in manchen Fällen ästhetischer Betrachtung von Objekten an die Stelle der Verschmelzung unserer durch die Objekte ausgelösten Gefühle mit dem Objekt —und damit an die Stelle der ästhetischen Einfühlung — ein Sichaufdrängen eines bestimmten gefühls¬ starken Gedankens tritt ! Im Fall der ästhetischen Betrachtung der Tanne oder Säule können wir auch nicht annehmen, daß das dabei hervor¬ tretende seelische Sichaufrichten in ein niedrigeres Analogon des- menschlich-seelischen Sichaufrichtens verwandelt und dann ver- objektiviert wird, hier scheint uns auch das seelische Sichaufrichten zu bleiben, was es ist und nicht auf das Objekt bezogen zu werden, sondern auf mich, den anschauenden Betrachter: Die An¬ schauung der Tanne, der Säule drängt mir auf eine Betätigung meines Ichs in bezugauf die Tanne, auf die Säule. Ich entwickle beim Betrachten der Tanne Streckungs¬ empfindungen ; diese werden ins geistige umgedeutet als seelisches Sichaufrichten. In der einen Klasse dieser Fälle tritt also an die Stelle der Verschmelzung unserer Gefühle mit dem angeschauten Objekt — und damit an die Stelle der Einfühlung — ein Sichauf¬ drängen eines gefühlsstarken Gedankens, in der anderen ein Sichaufdrängen einer bestimmten Betätigung des anschauenden Subjektes. Man darf uns nicht den Ein wand machen, daß wir es hier, wo keine Verschmelzung mit dem angeschauten ästhetischen Objekt vorliegt, mit einem außerästhetischen Faktor zu tun haben: mit außerästhetischen Faktoren haben wir es da zu tun, wo gefühlsstarke Vorstellungen oder Gedanken nicht nur als selbständige Reproduktionen neben dem angeschauten Objekt