1542 G-. Störring auftreten. Die zweite und dritte Möglichkeit habe ich früher zu widerlegen gesucht1). Die dritte Möglichkeit war damals von Alfred Lehmann in der ersten Auflage seiner Psychologie des; menschlichen Gefühlslebens vertreten. Ich bin für die erste Möglich¬ keit eingetreten, habe diese Hypothese näher ausgestaltet. Später hat A. Lehmann2) auch die Auffassung entwickelt, daß Lust an den Umsatz von potenzieller in aktuelle Energie gebunden ist. Man muß hier natürlich eine gewisse Beschränkung machen und etwa sagen, Lust sei gebunden an den Umsatz von potenzieller in aktuelle Energie in den zentralen Nervenzellen innerhalb einer bestimmten Grenze. Was läßt sich nun über diese Grenze sagen? Wenn man in der Skala der Beize, welche die zentralen Nervenzellen treffen, nach oben steigt, so kommt man natürlich an eine Grenze derart, daß bei noch weiterer Steigerung der Intensität Unlust entsteht. Es ist offenbar für den Organismus zweckmäßig, daß Beize so großer Intensität, daß die durch sie ausgelösten Dissimilationsprozesse nicht mehr durch Assimilations¬ prozesse ausgeglichen werden können, sich mit Unlust verbinden. Ich habe sodann Muskelkurven verwertet, die ich selbst am kurarisierten Eroschmuskel bei steigender Beizintensität bis zu übermaximaler Beizung unter isometrischem Beizungsregime an¬ gestellt habe. Bei übermaximalen Beizen weisen diese Kurven gegen die anderen eine deutliche Modifikation auf. Die Kurve bei über¬ maximaler Beizung zeigt sehr deutlich früheren und jäheren Abfall, sowie kürzere Dauer der Spannungsentwicklung. Es ist also bei übermaximaler Beizung eine eigentümliche Modifikation der Zer¬ setzungsprozessein der lebendigen Substanz zu konstatieren. Dieser eigentümlichen Modifikation der Zersetzungsprozesse in der lebenden Substanz entsprechen bei übermaximaler Beizung von zentralen Nervenzellen des Gehirns Unlustgefühle. Deshalb nehme ich an, daß wir die in Bede s t e h e n d e G r e n z e in derWeise n ä h e r best immen können, daß eine Beizung der zentralen sen¬ sorischen Nervenzellen sich mit Lust ver¬ bindet, solange ihre Intensität sich unter der Größe hält, wo die in derselben ausgelösten Dissimilations- und Assimilationsprozesse eine wesentliche Modifikation, eine Störung erfahren. Diese Modifikation betrachte ich als einen Ausdruck x) Störring: Vorlesungen über Psychopathologie. 1900. 2) A. Lehmann: Die körperlichen Begleiterscheinungen der psychischen Zustände. II. Teil. 1901.