Methoden der Psychologie des Gefühlslebens 1231 Bewußtsein aufgedrängte Vorstellung ver¬ schmilzt. Ich spreche zunächst von der Verfälschung der Wahrnehmung. Es ist ein bekanntes Phänomen, welches man häufig bei den hier in Betracht kommenden Kranken findet, daß sie glauben, mit feindseligen Blicken beobachtet zu werden, sobald sie sich auf der Straße sehen lassen. Die mißtrauische Verstimmung hat auf Grund ihrer assozia¬ tiven Beziehungen die Tendenz zur Beproduktion der Vorstellung feindseliger Handlungen. Sie muß deshalb bei einem bestimmten Verhalten der Umgebung gegen den Patienten die Tendenz haben, die Vorstellungen eines feindseligen Verhaltens bestimmter Art (hier des feindseligen Blickes) wachzurufen. Wenn schon allgemeine Verfolgungsideen zur Ausbildung gekommen sind, so werden diese bei einem bestimmten Verhalten der Umgebung ebenfalls die Tendenz haben, die Vorstellung eines feindseligen Verhaltens dieser Art zu erzeugen, wodurch dann die Tendenz der mißtrauischen Verstimmung verstärkt wird. So wird also die Wahrnehmung verfälscht. Die Wahrnehmung ist aber auch bei diesen Kranken zuweilen eine einseitige, was wir darauf zurückführen, daß die mißtrauische Verstimmung bewirkt, daß die mit mißtrauischer Affektbetonung begleiteten Züge größere Chancen haben, in den Blickpunkt des Bewußtseins zu treten als die anderen. Jener Beisende mit Ver¬ folgungsideen, von dem wir schon wiederholt sprachen, glaubte im Verlaufe seiner Erkrankung zu bemerken, daß die Kunden, die er besuchte, anstatt ihres früheren auf alter Bekanntschaft beruhenden liebenswürdigen Verhaltens ein feindseliges Verhalten ihm gegenüber zeigten. Die indifferenten Züge des Verhaltens wurden durch falsche Assimilation in feindselige verkehrt, die liebenswürdigen Züge desselben (wie sie bei 15jährigen Bekannten natürlich sind), waren von ihm einfach nicht bemerkt worden. Woher es kommt, daß die mißtrauische Verstimmung gerade Züge mit mißtrauischer Affektbetonung in den Blickpunkt des Bewußtseins rückt (und darin fixiert), brauchen wir wohl nach der ähnlichen Erörterung bei Besprechung der einseitigen Fixie¬ rung der Vorstellung nicht näher auseinanderzusetzen. Wir haben so gezeigt, wie das in den Wahrnehmungen und Vorstellungen gegebene Material für das Urteilen durch die emotionelle Anomalie modifiziert wird. Durch diese Modifikation muß natürlich auch das Urteil beeinflußt werden. Man be¬ greift aber jedenfalls hieraus nicht, daß die von den emotionellen Anomalien ab-