1126 G-. Störring wie sich zeigen wird, Feststellungen über Tatsachen ans dem Gebiete des Gefühlslebens, die in eindeutiger Weise sich mit einer durch experimentellen Betrieb geläuterten Selbstbeobachtung er¬ geben. Wir wollen jetzt dazu schreiten, eine allgemeine Charak¬ teristik der pathopsychologischen Methoden zu geben. Es handelt sich also um diejenigen Methoden, welche psychopathologische Tatbestände zu Schlüssen für die normale Psychologie verwerten. Das krankhafte Seelenleben wird eben von denselben Gesetz¬ mäßigkeiten beherrscht wie das normale Seelenleben. Verändert sind, wenn man absieht von pathologischen Beizungszuständen der Hirnrinde, welche das psychische Leben zerreißen, die kom¬ plexen Bewußtseinsinhalte, welche dann ein differentes Geschehen bedingen. Psychologie und Psychopathologie stehen in Wechselwirkung zueinander. Die meisten psychopathologischen Fälle sind weit mehr der Beihilfe der Psychologie zur Erklärung derselben be¬ dürftig, als daß sie für die normale Psychologie verwertet werden könnten. Für die normale Psychologie verwert¬ bar sind solche Fälle, die sich ans ehe n lassen als Experimente der Natur. Sie erweisen sich als förderlich für die psychologische Analyse und für die Fest¬ stellung von psychologischen Abhängig¬ keitsbeziehungen. Die Analyse wird durch die psychopathologischen Tatbestände z. B. gefördert auf dem Gebiete des Ichbewußtseins. Hier liegen für den Selbstbeobachtungspsychologen große Schwierig¬ keiten vor, weil hier dunkelbewußte Größen eine beträchtliche Bolle spielen. Dazu ist das Ichbewußtsein der experimentellen Untersuchung noch nicht unterworfen. Auch für diese stellt die Mitwirkung von dunkelbewußten Tatbeständen eine große Schwierig¬ keit dar. Durch Fälle krankhaften Seelenlebens ist aber die Analyse in der schönsten Weise gefördert. Es stellt sich dabei heraus, daß das Ichbewußtsein, so einheitlich es auch ist, keine einfache Größe ist, sondern eine komplexe. Die einzelnen Komponenten des Ichbewußtseins lassen sich bei isolierter Störung derselben erkennen. Eine dieser Kom¬ ponenten ist die Empfindung des eigenen Leibes, deren Aufhebung oder stärkere Änderung das Ichbewußtsein alteriert. Auch bei höherer Entwicklung des Ichbewußtseins ist sie noch eine Komponente desselben. — Was die Feststellung von Abhängigkeits¬ beziehungen betrifft, welche durch Verwertung des psycho¬ pathologischen Materials erzielt wird, so muß man hier zwei Wege der Untersuchung unterscheiden : den Weg von der Ur-