358 Die Wirkung des verzierenden Schönen. Verzierungen der bildenden Künste an, wie sie in den Gärten, Bau¬ werken, Meublen, Zimmern, Gefässen und Geräthen oben dargelegt worden sind. Der reale Genuss des Weines ist ein, der Art nach durchaus verschiedener von dem idealen Genuss des kunstvoll mit Beliefs aus der Götterwelt geschmückten Trinkgefässes. Ebenso er¬ freut man sich ideal an dem architektonischen Schmuck eines Wohn¬ hauses und geniesst später im Innern real die Bequemlichkeiten seiner Einrichtung. 4. In der zweiten und dritten Art stehen die realen und idealen Gefühle dem Inhalte nach sich gleich und erhalten damit einen Einfluss auf einander, welcher entweder die reale Lust durch die hin¬ zutretende ideale gleicher Art steigert, oder welcher die rohere und stofflichere Natur des realen Gefühles der feinem Natur des idealen annähert. Diese letztere Wirkung gilt namentlich den schmerzlichen realen Gefühlen und dient zu deren Milderung, wie früher ähnliches bei dem Kunstschönen (II. 222) dargelegt worden ist. 5. Diese Arten der Wirkung zeigt vorzugsweise die Verzierung des Realen durch die Musik und die Dichtkunst. Sowohl bei den Märschen und Tänzen, wie bei dem Gesang in der Kirche wird das reale Gefühl des Muthes, der Lust, der Andacht durch die ideale musikalische Zuthat gesteigert. Diese Zuthat folgt in idealer Weise genau den realen Gefühlen und bei dieser Gleichartigkeit derselben verlieren sich die Gränzen beider in der Seele; die reale Lust zehrt gleichsam die ideale in sich auf und erscheint dadurch verstärkt und veredelt. Dasselbe gilt für das Verzierende der Dichtkunst in Bezug auf religiöse Stoffe und auf die Beredsamkeit. Auch bei den Portrait- Büsteu und Bildern besteht diese Art der Wirkung. Die reale Liebe zu dem Original fühlt sich erhoben durch die idealisirende Verschö¬ nerung, welche das Original in dem Bilde erfahren hat. 6. Bei der Verzierung der wissenschaftlichen Darstellungen geht der reale Zweck nicht auf die Erweckung von Gefühlen, sondern auf die Belehrung, d. h. auf die Vermehrung des Wissens. Wäre das Schöne hier nicht von der Dichtkunst entlehnt, so würde hier keine Verbindung der Wirkungen möglich sein; allein die Dichtkunst steht vermöge ihres Materiales dem Allgemeinen näher und so vermag sie durch ihre anschaulichen und plastischen Mittel die realen Zwecke der Belehrung zu steigern; ähnlich wie es die Bilder zu Beschrei¬ bungen von Maschinen und Bauwerken thun. Die Belehrung erreicht dadurch schneller ihr Ziel, die Lust aus dem Wissen. Die dichte¬ rischen Formen umhüllen diese reale Lust mit den idealen Gefühlen, welche ihnen entquellen. Dies gilt auch für die dichterische Einklei-