278 Die Idealisirung in den bildenden Künsten. mildert, im Leben ahgetroffen wurde, da bildete sich daraus ein Ele¬ ment und ein Maassstab des Schönen. 17. Ein Theil des griechischen Ideals mag auch durch eine Ver¬ knüpfung seelenvoller Theile, die zuerst innerhalb der Phantasie des Künstlers sich vollzog, gewonnen sein. Es liegt dies in der Freiheit, welche jeder Idealisirung zu Grunde liegt. Aber jede solche zunächst in der Phantasie gebildete Gestaltung wird unzweifelhaft mit aller Vorsicht an den vorhandenen realen Gestalten geprüft worden sein, ehe sie zum typischen Zug des Ideals erhoben wurde. Auf diese Weise kann das griechische Ideal der Menschengestalt mit Recht als das Werk der Künstler gelten, obgleich doch kein Theil an ihm ist, . wo das seelenvolle Reale nicht das Muster, die Unterlage und den Anhalt geboten hat. Nur dadurch, dass die Griechen die reinigende und die verstärkende Idealisirung in ihrem wahren Sinn erfassten und vollzogen, dass sie selbst für die Freiheit dieses Theiles der künstle¬ rischen Thäti^keit die Schranken in dem Realen erkannten, blieben sie vor den Ungeheuern Indiens und vor den widerlichen symbolischen Verbindungen von Thier und Mensch, in die Aegypten gerathen war, bewahrt. 18. Hegel trägt kein Bedenken, bei den einzelnen Theilen der Gestalt den Ansichten Winkelmanns zu folgen und die idealisirten Formen, wie sie die Griechen festgestellt haben, aus ihren Beziehungen auf das Seelische und auf das Gefühl abzuleiten. So war das grie¬ chische Profil, die beinah gerade und ziemlich senkrechte Linie von der Stirn bis zur Nasenspitze, sicherlich auch bei dem griechischen Volke eine Seltenheit. Wenn, die Künstler sie dennoch in ihr Ideal aufnahmen, so liegt, wie Hegel anerkennt, es darin, dass damit die Nase den Theilen des Antlitzes näher trat, welche dem Denken und den nicht sinnlichen Gefühlen angehören; die Nase wurde von der Einheit mit dem Munde losgetrennt, die bei den Thieren die Nase zur Dienerin der sinnlichen Triebe macht. 19. In ähnlicher Weise wird die niedere Stirn, das volle Haar, das runde Kinn von Hegel gerechtfertigt, weil diese Formen der Ju¬ gend angehören und damit das Zeichen der Kraft, des erblühenden Lebens, der Freude sind. Dies alles ist richtig; allein doch nur An<r halb, weil die Beobachtung der realen Menschen diese Fon n mit diesen geistigen Zuständen als verknüpft darlegt. An sich zwischen beiden nicht die mindeste Aehnlichkeit und es ist unmögl i? zu beweisen, dass diese Gefühle in diesen Formen bei dem M i- schen sich darstellen müssen. Ist dies richtig, so ist auch aT iS Gerede von Identität der Seele und des Leibes, von Verleiblichi g