423] Kasuistik^des Massenmords. 237 91. Ebenda. S. 215 (nach den Annales médico-psychol. vom Mai 1871). Ein Epileptiker erschlägt im epileptischen Wutanfall seine Eltern. Bald danach Tod im epileptischen Anfall. 92. Ebenda. S. 232. Ein Schwachbegabter Säufer bringt, getrieben durch plötzlich auf¬ tretende, befehlende Stimmen seinen Nachbarn und dessen Buben um. Die Psychose bleibt klinisch diagnostisch unklar. Irrenanstalt. 93. Ebenda. S. 264 (nach den Annales médico-psychol. vom Juli 1866). Ein sozial Tiefstehender verwundet in einem pathologischen Rausch sieben Menschen und tötet zwei andere mit dem Messer. Freispruch. 94. Der Fall Teßnow. Aschaffenburgs Monatsschr. 3. 1907. Der Tischlergeselle T. ermordet 1898 zwei siebenjährige Schulmädchen und zerstückelt die Leichen. 1901 begeht er das gleiche Verbrechen an zwei Knaben von 5Y2 und 7V2 Jahren, indem er ihnen mit einem Stein den Schädel zertrümmert und sie dann zerstückelt. Im gleichen Jahre überfiel er (vergeblich) ein erwachsenes Mädchen. Die Sachverständigen erkannten die Taten als bedingt durch einen epileptischen Dämmer¬ zustand an. T. ist sicher ein Epileptiker, vielleicht bestehen nebenher noch andere psychopathische Züge. An seiner Unzurechnungsfähigkeit konnte kein Zweifel sein. Die Geschworenen sprachen ihn 1902 und 1906 zweimal schuldig, das Todesurteil wurde in lebenslängliche Zucht¬ hausstrafe umgewandelt. — Der Fall ist von besonderem Interesse, da die Verurteilung zweifellos zu Unrecht erfolgte. 95. Mord an Frau und Kindern in höchst zweifelhaftem Gemütszustände. — Mania transitoria ? ! Gutachten der Königl. wissenschaftlichen Depu¬ tation für das Medizinalwesen (Referenten Ideler und Casper). Vier¬ te ljahrsschr. für gerichtliche und öffentliche Med. 2. 1852. S. 1. Ein von jeher gewalttätiger, enorm reizbarer Mensch wird plötzlich auffallend fromm, erschlägt ohne erkennbares Motiv in ungewöhnlich roher Weise die Frau mit dem Beil, versucht dann, seine Mutter tot zu schlagen, bringt unmittelbar danach in derselben Weise zwei seiner Söhne um und bedroht noch andere Menschen. Verfällt zuletzt in einen eigenartigen stuporösen Zustand. In der Haft Zustände von Raserei abwechselnd mit Stupor. Die Gutachter erklären ihn für zu¬ rechnungsfähig. Nach der ganzen Darstellung zweifellos akute Psy¬ chose, die aber diagnostisch unklar bleibt. 96. Josef Schweizer, Ärztliches Gutachten über den Geisteszustand des Johann Braun von Chur. Schweizerische Zeitschrift für Strafrecht XI. S. 402. ,,Ein Mann tötete seine Braut und verwundete zwei andere Personen schwer, eine dritte leicht. Der Begutachter stellte fest, daß der Kranke im Zustande des Delirium tremens gewesen war. Trotzdem wurde der Angeklagte verurteilt“. Referat in Zeitchr. f. d. ges. Strafr. Wiss. 20. 1900. 750. 97. Vollmer, Gutachten über den Gemütszustand des dreifachen Mörders Johann G. von L. Henkes Zeitschrift für Staatsarzneikunde. 63. 1852. S. 427.