381] Der Fall Wagner. 195 geboren den n. Dezember 1907, endlich Rudolf Alfred, geboren den 9. Juli 1909. Letzterer ist schon nach 2 Monaten gestorben, die anderen 4 sind am 4. September 1913 ermordet. Bevor Wagner seine Taten ausführte, hatte er eine Anzahl von Vorkehrungen getroffen und auch verschiedene Briefe ge¬ schrieben, die bei den Akten gesammelt sind. Für das Verständnis seiner Handlungen sind von besonderem Interesse die Briefe an die Redaktion des Neuen Tageblattes vom 4. September 1913, an seinen Freund, den Hauptlehrer H. vom 26. August 1913, an die Familie S. (ohne Datum), an seine Schwester Luise (ohne Datum) und an seine Schwester Pauline vom 28. August 1913- Der Redak¬ tion des Neuen Tageblattes übersandte er 2 Erklärungen, die erste überschrieb er „An mein Volk“, die zweite „An die Lehrerschaft“. In der erstgedachten Erklärung heißt es: „Es ist des Volkes viel zu viel, die Hälfte sollte man gleich totschlagen. Sie ist das Futter nicht wert, weil sie schlechten Leibes ist. Von allen Erzeugnissen des Menschen ist ausgerechnet der Mensch das schlechteste. Hielte mich nicht das eigene Jammerbild davon ab, so würde ich euch sagen, wie sehr mich vor all diesen häßlichen, kümmerlichen, siechen Menschen ekelt. Woher kommt das Elend? Das, meine ich, kann euch niemand besser sagen als ich. Es kommt her von der geschlechtlichen Un¬ natur. Das heutige Geschlecht leidet am Geschlecht. Es ist ein billiger Spaß, mit dem Finger auf mich zu deuten; jeder von euch täte besser, er gedächte seiner eigenen Sauerei. Ich habe viel leiden müssen. Ich bin verspottet und gehetzt worden von gemeinen Menschen. Ich könnte von einer abgrund¬ tiefen Niedertracht der Menschen erzählen, wenn ich nicht glaubte, daß ich mich selber dabei nur blamierte. Wem habe ich Übles getan? Es soll der auftreten, dem ich zu Schaden gelebt habe. Aber ihr nehmet Anstoß an meiner Sünde? Oh der Lüge! Die allergrößte Freude hat sie euch bereitet. Das war ein Fressen für euern schmutzigen Rüssel. Anstoß habe nur ich daran genommen. Ich habe mich zum Tode verurteilt. Ich habe das Urteil nicht vollzogen, weil ich ein schwacher Mensch war. Heute kann ich sagen, daß mir der Tod kein Grauen mehr einflößt, ich bin gesättigt mit Qual, ich fürchte nichts mehr, wie ich nichts mehr erhoffe. 13*