238 Siebentes Kapitel. lichkeit als besonders wertvoll erscheinen müssen, weil überein- sie mit unseren sittlichen stimmen, d. h. menschlich bedeutsame Züge » in denen etwas zum Ausdruck kommt, was zum Menschsein einen positiven Beitrag liefert: Kraft, Grösse, Reich¬ tum oder innere Weite, Einstimmigkeit mit sich selbst oder innere Freiheit. So wird in der ästhetisch wert¬ vollen Darstellung des Zornigen irgend welche Grösse sein, irgend etwas Gesundes, irgend welche Kraft, an der ich sympathisch teilnehme. Ich lasse es dahingestellt, ob sich der Begriff des positiv Menschlichen mit dem des Sittlichen identifi¬ zieren lässt, oder ob er sich hierfür als zu weit er¬ weist. Für das ästhetisch Wirksame wäre er sicher¬ lich zu eng. Es kann daher nur gefragt werden, ob er sich mit dem ästhetisch Wertvollen deckt. Nach dem, was im vierten Kapitel über die Wertbeziehungen gesagt wurde, muss ich ihn auch in dieser Hinsicht für zu eng halten. Wer sich hierüber ein Urteil bil den will, der möge die von Iipps im dritten ästhe tischen Litteraturbericht (Arch. f. syst. Phil. IV, 471 f.) angeführten Fälle nachprüfen. Von der Stimmung des ewig unzufriedenen Nörglers, heisst es dort, nehme ich bloss Notiz, oder ärgere mich sogar darüber, während die (wirkliche oder dargestellte) um ihr Kind bangende Mutter meine ästhetische Sympathie erzwingt, weil ich in ihrer Sorge die Liebe sehe und so meine eigene Ich dass die Kritik hier sowohl die Gegenüber¬ stellung der Beispiele als auch die Begründung des Fähigkeit zu lieben, in ihrem Anblick auslebe, glaube,