94 Drittes Kapitel. wird. Auch das gehört nicht zu dem ästhetischen Genuss des Objektes, ebensowenig als die mancher¬ lei selbständigen Gedankengänge, zu denen wir b e i m Anhören eines Vortrags abschweifen, zum Anhören des Vortrags zu rechnen sind. (Eine gewisse Ein- schränkung dieser Behauptung folgt am Schluss des Kapitels. ) Damit ist aber nun keineswegs gesagt, dass die eigentlichen Associationen für den ästhetischen G-enuss wertlos seien. Im Gegenteil, sie sind von grösster Bedeutung durch ihre mittelbaren Wirkungen. Wenn nämlich die aufgetauchten selbständigen Vor¬ stellungen das Bewusstsein erfüllt und die ihnen zu- gehörigen Gefühle hervorgerufen haben, so können sie genau wie eine andere Erfahrung nach wirken, und diese Nachwirkungen können mit der Wahr- nehmung des Objektes verwachsen. Mit anderen Worten: die allgemeine „Stimmung“, die eine selb¬ ständige Association erzeugt hat, kann nachwirkend in die Betrachtung des Objektes „eingehen“, d. h. mit dieser Betrachtung verwoben werden. Dieser Vorgang ist von ausserordentlicher Wichtigkeit für die Poetik; er zeigt seinen Einfluss aber auch sonst in unzähligen Fällen. Ich habe bei dem Anblick des Matterhorns von Zermatt aus wie jeder andere Beschauer sofort den Eindruck von etwas aussergewöhnlieh Wildem und Drohendem gehabt. Dieser Eindruck erklärt sich leicht aus der ganzen Form des Berges, der wie kein anderer das Gepräge der Unnahbarkeit besitzt. Eines Tages fiel es mir aber auf, dass die Hauptlinien seiner