366 Das Tragische. N /"v „ wird. Das Schicksal, welches das Schöne „unter den Huf¬ schlag seiner Pferde" wirft, erscheint „roh und kalt". Das ist dasselbe Gefühl der Empörung über eine Tragik ohne Erhebung, was auch aus den bitteren Worten Shakespeares in „Troilus und Cressida" spricht : „Da liegt Ihr wie ein edles Rofs, das fiel im Vorkampf, überrannt, zerstampft, als Pflaster für niedern Trofs". Die Tragik, die in einem Unter¬ gänge ohne Erhebung liegt, wird darum nicht leicht in ihrer ganzen Furchtbarkeit enthüllt werden können, weil dann das Spiel der inneren Nachahmung unter Umständen versagt. Ganz anders ist es bei dem erhebend Tragischen. Da kann das Furchtbarste und das Schmerzlichste gewagt werden; denn neben dem Schmerz steigt die Erhebung empor und gibt jenem inneren Spiel dine ungeheure Tragkraft. Neben dem Schmerz : das ist eben das wesentliche Moment, durch welches die Erhebung als das wichtigste unter den tragischen Mitteln erscheint. Der Zuhörer hat den Genufs des Er¬ habenen, aber dadurch wird die erschütternde Kraft des Unterganges in nichts abgeschwächt, weil sich das Erhabene selbst erst auf dem Furchtbaren auf baut. Die andern Mittel führen nur wenig an directem Lustgefühl mit sich, das Erhabene aber ist ein starkes Lustgefühl und schwächt dennoch den Schmerz nicht ab, da es selbst eine Depression voraussetzt. Darum hat Schiller die Leistung des erhebend Tragischen mit gröfster Schärfe bestimmt, wenn er seinen Cajetan sagen läfst : Erschüttert stelT ich, weifs nicht, ob ich ihn Bejammern oder preisen soll sein Loos.