Das Schöne. 25? hellenischen Olymp vor Augen, wo auch das Sinnliche un¬ verkürzt in die Seligkeit eingeht. — Wenn so das Schöne durch diese Verwandlung und Erhöhung des sinnlich Angenehmen unter allen ästhetischen Erscheinungen die stärkste Lustempfindung hervorruft, so ist es endlich auch noch darum als die wichtigste Modifica¬ tion anzusehen, weil es wie keine andere das Bewufstsein dazu ein lädt, die gewöhnliche, abgekürzte, aufserästhe- tischen Interessen dienende Betrachtung der Dinge zu ver¬ lassen, sich liebevoll auf die Einbildung des Scheines zu concentriren und so das Spiel der inneren Nachahmung zu eröffnen. Das Angenehme hält die Sinne in wohlthuender Beschäftigung fest und führt dadurch das Bewufstsein leicht und sicher in das Gebiet des Aesthetischen hinüber. Ob der Mensch, wie Schiller meint, durch das Morgenthor des Schönen in der Erkenntnifs Land eindringt, erscheint mir zweifelhaft; sicher aber ist das auf dem Angenehmen be¬ ruhende Schöne die weitgeöffnete Pforte, durch die der Mensch am leichtesten das Reich des ästhetischen Geniefsens be¬ tritt. Die sinnlich angenehmen Elemente, sagt Kirchmann mit Recht, „gleichen dem Weihrauch des katholischen Kultus, welcher zunächst den Eintretenden umhüllt, der Aufsenwelt enthebt und so für das Höhere und Göttliche vorbereitet" *). *) Kirchmann, „Aesthetik", I. 335. Groos, Aesthetik. 17