Die Bemalung der Plastik. 61 hältnisse durch die Musik, die menschliche Rede durch die Poesie zum ästhetischen Ausdruck gebracht. Die Frage, warum sich die ästhetische Anschauung und mit ihr die Kunst gerade auf diese Erscheinungen concentrirt, hängt zum Theil mit dem zusammen, was ich S. 40 f. gesagt habe : der Schein wird eben nur durch die oberen Sinne vermittelt; was diese geben, theilt sich aber der Hauptsache nach in jene Phänomene ein. Doch ich kann hier diese Frage nicht in ihrem ganzen Umfang erörtern, da ich das Wesen des ästhetischen Scheines bis jetzt erst zur Hälfte bestimmt habe. Nur eine Betrachtung läfst sich schon an diesem Punkt an¬ stellen. Wenn der Künstler in der That, um mit Richard Wagner zu sprechen, das „verdichtete“ innere Bild, also den ästhetischen Schein nach aufsen wieder mitzutheilen sucht, so wird das Kunstwerk offenbar den Grundcharakter des Scheines bewahren müssen, d. h. es wird gegenüber der Wirklichkeit immer etwas Concentrirtes und Isolirtes haben. Es wäre aber nach meiner Erklärung des Scheines völlig falsch, wenn man darum annehmen würde, diese Isolirung müfste eine unbedingte und vollständige sein; denn ich habe ja zu zeigen versucht, dafs es sich beim ästhetischen Schein immer nur um ein Vorherrschen handelt, d. h. dafs eine bestimmte Seite der Wirklichkeit im Bewufstsein die Mitte einnimmt, was aber nicht ausschliefst, dafs auch die übrigen Theile des sinnlich Gegebenen dienend in den ästheti¬ schen Eindruck mit hineintreten. — Eine stattliche und gehorsame Dienerschaft erhöht den Glanz des Herr¬ schers, nur darf sie freilich nicht so breit und prunkvoll