58 Das Pianoforte in seinen akustischen Anlagen. So wie bei dem Gange zweier Uhren und aus den zu verschiedenen Zeiten fallenden Schlägen verschiedene Zwischen¬ pausen entstehen, so bilden sich auch bei dem Zusammenklange zweier oder mehrerer Töne, deren Stöße in verschiedene Zeit¬ räume fallen, Intervalle, die nicht im Einklänge dieser Töne vorhanden sein können; aus solchen eingeschlichenen Intervallen entstehen die Kombinationstöne. Wir wollen uns zunächst die Intervallverhältnisse zweier Töne durch ein Längenmaß bildlich vorführen und dabei einige Kombinationstöne ermitteln. Bei Tönen, die im Einklänge stehen, können, weil nur ein Intervall vorhanden ist, keine Kombinationstöne auf kommen, so z. B. bei den drei Saiten eines Chores auf dem Piano. Auch bei Prime und Oktave findet ein ähnlicher Einklang statt, sodaß auch hier Kombinations¬ töne ausgeschlossen sind. Fig. 2. Angenommen, die Linie y—r sei das Längenmaß für das Tonintervall C; diese sei die Prime, c die Oktave und y der Punkt, von dem die Stöße dieser beiden Töne ausgehen. So¬ bald der zweite Stoß des Tones C erfolgt, hat der erste eine Wegstrecke von y aus zurückgelegt, die hier gleich y — r ist, sodaß also das Intervall des Tones C gleich y—r ist. Die Oktave hat die doppelte Anzahl Stöße; wenn die beiden Töne zusammen in Anschlag kommen, so wird das Intervall der Prime durch den Zwischenstoß der Oktave in der Mitte geteilt. Denken wir uns. wir ständen vor einer ruhigen Wasserfläche und hätten zwei weiße und drei schwarze Stein dien zur Hand, die wir nun auf das Tempo „eins—und—zwei“ auf einen be¬ stimmten Punkt der Wasserfläche werfen. Der Wurf eines weißen Steinchens vertritt hierbei den Stoß der Prime und der eines schwarzen Steinchens den einer Oktave. Auf Tempo „eins“ werfen wir ein weißes und ein schwarzes Steinchen zu gleicher Zeit in den betreffenden Punkt der Wasserfläche. Der Doppel¬ wurf gibt, da beide Steinchen zu gleicher Zeit auf einen Punkt