§■ 23. NEGATIVE NACHBILDER. 361 dieses Eigenlicht selbst in der nächsten Umgebung des dunklen Nachbildes durch Contrast mit diesem etwas heller. Grössere Intensität des primären Lichts giebt dem negativen Nachbilde eine grössere Deutlichkeit und Dauer. Auch unterscheiden sich im Nachbilde diejenigen Theile eines als primär beleuchtendes Object gebrauchten, blendend hellen Gegenstandes, welche eine objectiv verschiedene, für die Empfindung aber nicht verschiedene Lichtstärke haben. Ich habe oft gesehen, wenn ich nach der untergehenden Sonne geblickt hatte, dass Gegenstände, die einen Theil der Sonnenscheibe bedeckten, im negativen Nachbilde deutlich zu erkennen waren, von denen beim directen Anblick der Sonne wegen der Irradiation keine Spur zu erkennen war. Selbst kleine Gegenstände, Zweige und Blätter von Bäumen können auf diese Weise nachträglich sichtbar werden. Die Reizempfäitglichkeit derjenigen Netzhauttheile, welche das Bild der Sonnenscheibe selbst aufgenommen haben, ist also nachher stärker verändert, als sie es in den Netzhautstellen ist, welche von den Zerstreuungskreisen und dem diffus verbreiteten Lichte getroffen waren, obgleich die ursprüngliche Empfindung beider sich nicht unterscheiden liess. Eben deshalb sind Nachbilder der Sonne anfangs gewöhnlich grösser als die Sonnenscheibe, und werden später kleiner, indem sich anfangs noch ein Nachbild der Zerstreuungskreise am äusseren Rande der Sonne hinzugesellt, welches aber schneller negativ wird und endlich früher schwindet als das der Mitte des Sonnenkörpers, wo die volle Helligkeit desselben eingewirkt hat. Der Einfluss der Dauer der primären Bestrahlung ist für das negative Nachbild ein anderer als für das positive. Nämlich die Stärke des negativen Nachbildes nimmt zu mit der Dauer der Bestrahlung, und scheint sich erst bei längerer Dauer asymptotisch einem gewissen Maximum zu nähern. Durch lange Dauer sehr starker Bestrahlung kann sogar eine bleibende Veränderung der be¬ treffenden Netzhautstelle entstehen, wie dies Ritter1 erfuhr, als er 10 bis 20 Minuten lang direct in die Sonne gesehen hatte. Zur Erzeugung deutlicher negativer Nachbilder ist es deshalb nützlich, die primäre Bestrahlung länger (bei mässigem Licht etwa 5 —10 Secunden) dauern zu lassen. Dann ist das positive Nachbild schwach und schwindet schnell, das negative dagegen stärker und dauert länger. So z. B. schwindet nach der Betrachtung heller Wolken durch das Fenster von 1/3 Secunde Dauer das positive Nachbild nach etwa 12 Secunden, das negative auf hellerem Grunde nach etwa 24 Secunden. Wenn ich dasselbe Object dagegen 4 oder 8 Secunden betrachtete, schwand das negative Nachbild erst nach 8 Minuten. Ich hielt das Gesichtsfeld dabei ganz dunkel und liess nur von Zeit zu Zeit schwaches- Licht durch die geschlossenen Lider einfallen, um zu prüfen, ob das Nachbild noch da sei. Um das negative Nachbild recht scharf gezeichnet zu erhalten, ist es nothwendig, während der Dauer der Be¬ strahlung scharf einen bestimmten Punkt des hellen Objects zu fixiren. In dem negativen Nachbilde ist es noch besser als in dem flüchtigeren positiven möglich nachträglich Einzelheiten zu erkennen, die man bei der directen Beschauung nicht bemerkt hat. Hat man nach einander zwei verschiedene Punkte des 1 Beiträge zur näheren Kenntniss des Galvanismus. 1805. Bd. II. S. 175—181.