178 R. Sommer. gleichenden Biologie in morphologischer und psychopathologischer Richtung zu studieren, 2. die Frage, ob auch bei Reptilien, Am- phiblien und Fischen die gleiche Störung vorkommt, d. h. also im ganzen Wirbeltierreich. Bisher ist sie besonders bei den als Stalltiere in der Nähe der Menschen lebenden Tierarten, und einigen anderen relativ leicht zu beobachtenden bekannt. Jedenfalls ist diese Krankheit, die man nicht einfach als Mißbildung bezeichnen darf, biologisch sehr alt. Entsprechend dieser Betrachtungsweise fordert S. eine vergleichende Psychologie und Psychopathologie von den niederen bis zu den höchsten Tierformen. Dementsprechend hat S. seit 3 Jahrzehnten die verschiedensten Tierarten vergleichend betrachtet. Die 1914 bei dem experimentell-psychologischen Kongreß in Göttingen berührte Frage der Elberfelder Pferde ist nur ein Spezialfall bei dieser Unter¬ suchung. Damals wurde eine Kommission unter dem Vorsitz von S. zur Prüfung dieser Frage eingesetzt. Über „den Anfangsunterricht bei den Elberfelder Pferden“ hat S. in der Zeitschrift von M ar b e 1916 berichtet. Zur weiteren Untersuchung hat S. im Dezember 1918 bei dem Rückzug der Truppen ein kleines Russenpferd erworben und jetzt 21l2 Jahr beobachtet. Im Laufe dieser Untersuchungen haben sich immer mehr Beziehungen zu bestimmten psychopathologischen Grundsymptomen beim Menschen ergeben. Unterdessen ist die psych¬ iatrische Symptomatologie an einen Punkt gelangt, an dem sie not¬ wendigerweise eine Anregung von anderer Seite verlangt. S. sucht dieses weiterbildende Moment in einer vergleichenden Psychologie und Psychopathologie. Im Einzelnen behandelt er 1. die reproduktive Assoziation, die besonders bei dem Pferd in erstaunlicher Weise vorhanden ist, so daß lange Reihen optisch¬ motorischer Art, ohne jede Abschweifung durch Seitenketten, genau wiederholt werden. Das Problem der Elberfelder Pferde läuft auf 2 Fragen hinaus: 1) wieweit Bewegungen auch minimalster Art von dem Tier aufgefaßt werden, so daß eine psychische Bremsung im Ab¬ lauf der Klopfbewegungen eintritt, die sich an bestimmte optische oder akustische Eindrücke heften, 2) ob es möglich ist, mit optischen Zeichen komplizierter Art Bewegungsreihen der Vorderfüße beim Pferde psychophysisch zu verknüpfen. Letztere Frage muß weiter geprüft werden. In der menschlichen Psychopathologie kommt es vor, daß die reproduktive Assoziation ausgezeichnet entwickelt ist, während völliges Fehlen von Begriffen vorliegt. S. erläutert dies durch Vorstellung eines klinischen Falles. 2. Bei Pferden können psychophysische Komplexe, die ursprüng-