13 die kleinste Fläche zu einer ganzen Welt von Erscheinung entwickeln kann“, wenn wirklich jeder Strich einem anschau¬ lich Vorgestellten, einer bewussten und empfundenen Form entspricht, wenn er räumliche Bedeutung hat. Kardinah und Angelpunkte des Zusammenhangs und der Gliederung sind aber für Marées: die aufruhenden Teile des Körpers und die Gelenke. Wir übergehen die besonderen Kompositionsprinzipien Marées’, es sind die Prinzipien einer klassischen Kunst, ebenso die Bemerkungen über die Maltechnik vor der Bild¬ tafel, die wir in unserm Büchlein finden, und heben nur noch weniges heraus. Indem Marées das Ziel , der Malerei darin sieht, dass sie eine anschauliche Vorstellung zu möglichst klarer ;und vollständiger bildnerischer Entwicklung bringe, besteht er auf einem Realismus, wobei er aber nicht an eine Naturnach¬ ahmung denkt, sondern an eine Schöpfung, wie sie aus einem hochentwickelten Seh- und Vorstellungsvermögen her¬ vorgeht. Marées sah in der künstlerischen Tätigkeit einen Er¬ kenntnisprozess, ein unmittelbares Erfassen der uns um¬ gebenden Welt durch das äussere und innere — gestaltende — Gesicht. Wie Dürer galt ihm das Gesicht als der edelste Sinn des Menschen, dessen Ausbildung aber auch als die schwierigste Aufgabe, die ein ganzes Menschenleben mit all seinen physischen, geistigen und sittlichen Kräften in Anspruch nehme. Den Trieb nach Einheit und Harmonie äussert der Mensch als Drang nach Erkenntnis. Und der Künstler macht keine Ausnahme. Auch in ihm spielt sich das Ringen der