Ueber die mechanische Auffassung der Natur. 323 Aber nicht nur die sprungweise, sondern überhaupt eine jede Umwandlung ist zu verwerfen, welche auf dem Eingreifen eines metaphysischen Entwicklungsprineips basirt. Wem die bisher vor¬ gebrachten Indicien gegen ein solches nicht genügen, der stelle sich doch einmal die Frage, wie und wo eigentlich ein solches Princip eingreifen soll? Ich meine eine Wirkung könne stets auch nur einen zureichenden Grund haben; genügt dieser eine, um sie her¬ vorzurufen, so bedarf es keines zweiten mehr. Der Zeiger der Uhr dreht sich mit Noth Wendigkeit in bestimmter Zeit einmal im Kreise herum, sobald die Feder, welche den Mechanismus in Bewegung setzt, aufgezogen ist; bei einer nicht aufgezogenen Uhr könnte vielleicht eine geschickte menschliche Hand dem Zeiger dieselbe Bewegung ertheilen, dass aber die Uhr zugleich von der Feder und von einer Hand dieselbe Bewegung erhalten könne, die sie durch eine dieser beiden Kräfte allein schon erhalten würde, ist unmöglich, weil der Zeiger seine Bewegung nur einer Ursache verdanken kann. So scheint mir können auch die Variationsketten, welche die Transmutationen ausmachen, nicht zugleich von phy¬ sischen und von metaphysischen Ursachen bestimmt werden, son¬ dern entweder von diesen, oder von jenen. Von keiner Seite wird es bestritten, dass wenigstens ein Theil der Vorgänge organischen Lebens auf dem mechanischen Zusam¬ menwirken physischer Kräfte beruht. Wie soll es nun denkbar sein, dass in dem Gang dieser causalen Kräfte plötzlich Pausen eintreten und eine zweckthätige Kraft dafür eintritt, um später wie¬ der die physischen Kräfte aus Ruder zu lassen ? Für mich ist dies eben so undenkbar, wie die Vorstellung, dass der Blitz zwar die elektrische Entladung einer Gewitterwolke ist, deren Bildung und elektrische Spannung von causalen Kräften abhängt, deren Zeit und Ort rein durch solche Kräfte bestimmt wird, dass aber der Donnerer Zeus dennoch es in seiner Macht hat, nach seinem Willen den Blitzstrahl auf das Haupt des Schuldigen zu lenken ! Wenn ich nun auch die Möglichkeit oder Denkbarkeit eines gleichzeitigen Zusammenwirkens von teleologischen und cau¬ salen Kräften zur Erreichung einer Wirkung in Abrede stellen und die alleinige Berechtigung der rein mechanischen Auffassung der Naturvorgänge festhalten muss, so glaube ich doch nicht, dass wir deshalb darauf zu verzichten brauchen, die Existenz einer zweck- 21 *