6 Robert Lach. ergänzend hinzutreten müssen, um diese in den Stand zu setzen, ihre Probleme mit Aussicht auf Erfolg in Angriff nehmen zu können. Vor allem andern aber werden es natur¬ gemäß die einzelnen kunstwissenschaftlichen Fachdisziplinen selbst sein, die. zueinander in das innigste Verhältnis und den regsten Gedankenaustausch über die einzelnen Probleme und Details ihres engeren Fachgebietes werden treten müssen, wenn sie sich durch die Belehrung seitens der Schwester¬ disziplin und durch Konstatierung der analogischen Überein¬ stimmung der einzelnen einander in den verschiedenen Schwesterkünsten korrespondierenden Details über die den¬ selben im letzten Grunde hinter der Verschiedenheit der Formen zugrunde liegende gemeinsame und identische Wurzel, das gemeinsame Urprinzip, dessen phänomenale Modifikationen gerade diese Erscheinungsformen in den einzelnen Künsten eben sind, klar und gewiß werden wollen. Es ist nun recht bezeichnend, daß in der Reihe der ein¬ zelnen Fachdisziplinen der vergleichenden Kunstwissenschaft (im weiteren Sinne, die Vergleichung all er Künste, nicht bloß der bildenden, inbegreifend) es vor allem zwei Wissen¬ schaften sind, die zueinander in einem besonders innigen Verhältnis stehen und besonders eng aufeinander angewiesen sind: nämlich die Kunstgeschichte und die Musikwissenschaft. Der Grund hiefür ist begreiflicherweise in den engen Ver¬ wandtschaftsbeziehungen zu suchen, die zwischen den beiden ihnen als Substrat ihrer Forschung zugrundeliegenden Kunst¬ gebieten bestehen. Diese enge innere Verwandtschaft ist denn auch von jeher gefühlt und erkannt, ja hinsichtlich einiger be¬ sonders auffallender Erfahrungstatsachen von Übereinstim¬ mung und Analogie auch mehr oder weniger deutlich bewußt ausgesprochen worden, so z. B. in dem bekannten Worte von der Architektur als ,gefrorener Musik‘ (wie man denn auch ebensogut die Musik als fließende, fluktuierende Architektonik bezeichnen könnte), oder wenn wir von Tonmalerei, von melodischen Dessins, von musikalischen Ornamenten, von Instrumental k o 1 o r i t, melodischer Linien führung', von Klang färben, von dunklen oder hellen Tönenu. dgl. sprechen. Es drängt sich hier nun vor allem anderen als erste Frage die auf: ob und inwieweit wir auch in der Wissenschaft-