360 Kap. XV. Die psychischen Verhältnisse i. umfassenderen Zusammenhängen. ebensowohl verschieden, wie von den Gegenständen, die unser offenes Auge mit Bewusstsein wahrnimmt. Immerhin unterliegt das Empfinden, welches das Auge ver¬ mittelt, besonderen Bedingungen. Zunächst sind die Eindrücke, die auf die Mitte des Auges, den gelben Fleck treffen, vor andern bevorzugt, so dass sie leichter, als sie es sonst vermöchten, in der Concurrenz den Sieg davontragen. Andrerseits aber muss jeder Teil des Gesichtsfeldes, der dem Bewusstsein gegenwärtig ist, die benachbarten Teile umso mehr, je unmittelbarer benachbart sie sind, mit emporziehen, also ihnen eine mit ihrer Entfernung abnehmende Bewusstseinsnähe* sichern. Er muss dies vermöge der besonderen Beziehungen, die eben der räumlichen Nachbarschaft psychologisch zu Grunde liegen. Wenden wir nun den Blick oder lassen die Aufmerksamkeit wandern, so erheben sich vermöge jener Be¬ ziehungen die aufeinanderfolgenden Elemente, eines nach dem andern, mit besonderer Stetigkeit und Gegensatzlosigkeit in’s Be¬ wusstsein. Da ausserdem auch ein „Eindruck“ oder Gefühl von dem, was in jedem Augenblick bewusst wird, schon vorher be¬ stand und von seiner Eigenart in gewisser Weise Kunde gab und dies Gefühl durch die Bewusstwerdung gleichfalls eine besonders stetige und zugleich verhältnissmässig geringe Aenderung erleidet, so ist es kein Wunder, wenn es uns beim Gesichtssinn schwer und fast unmöglich ist, an die nichtsdestoweniger selbstverständ¬ liche Wahrheit zu glauben, dass es nur die beiden Möglichkeiten gibt, nämlich entweder Wahrnehmung mit vollem Bewusstsein oder völlige Nichtexistenz von Gegenständen für unser Bewusstsein. — Ich bemerke noch, wie aus unseren Erörterungen die Ausdrucks¬ weisen des gewöhnlichen Lebens sich rechtfertigen, die der be¬ wussten Erfassung eines Inhaltes nicht die dunkel bewusste, — darin steckt schon schädlicher psychologischer Einfluss — sondern das mehr oder weniger bestimmte „Gefühl* davon zur Seite setzen. • Der zweite Punkt, auf den ich noch besonders aufmerksam machen wollte, betrifft die hohe Bedeutung, die die Art des an sich Unbewussten, dennoch in seinen Beziehungen dem Bewusstsein sich zu verraten, für unser ästhetisches Gemessen haben muss. Man kennt die alte Regel, derzufolge das Kunstwerk in seiner Grösse und Manchfaltigkeit nicht über das Maass des gleichzeitig Uebersehbaren hinausgehen darf. Wäre mit dieser Uebersehbarkeit die Möglichkeit des Vorhandenseins aller Elemente im Bewusstsein