Die Farbendisharmunien. Farbeudreikläugu. 346 Kurz, wir fühlen uns mit der Erwartung nach Erreichung eines Zieles erfüllt und doch zugleich vom Wege zum Ziele abgebracht. Natürlich sage ich nicht, dass wir dergleichen Ueberlegungen an¬ stellen, wenn uns ein Grün-Blau begegnet, ich sage nur, dass der Eindruck ein ihnen einigermaassen entsprechender ist. Der Vorgang hat auf andern Gebieten Analogien. Der Ueber- gang des Grün zu Blau verhält sich wie die vom geraden Faden ablenkende und damit zugleich den Fortschritt einseitig aufhal- tende Weise der Erzählung. Er verhält sich, wenn man will, analog wie der Uebergang vom Grundton zur Terz, auf den nichts weiteres folgt. Die fünften Schwingungen der Terz treffen mit den vierten Schwingungen des Grundtons zusammen. Die Terz führt damit den Rythmus des Grundtones einseitig weiter. Hier fühlen wir unmittelbar den Mangel. Wir suchen darum Ergänzung. Sie ge¬ schieht teilweise, indem die Quinte jede zweite Schwingung des Grundtons aufnimmt. Endlich scbliesst die Octave, die den gan¬ zen Rythmas des Grundtons in sich enthält, die Bewegung ab. Worin dieser letztere Vergleich hinkt, ist leicht ersichtlich. Vor allem führt vom Grundton zur Oktave kein gerader Weg. Auch der Durchgang durch die Quinte bezeichnet eine Ablenkung. Immerhin liegt die Quinte auf dem geradesten Wege. Insofern kann sie mit dem Weiss verglichen werden. Durch Weiss ge¬ schieht von Grün nach Purpur der Fortschritt völlig ohne gewalt¬ same Ablenkung. Wir empfinden darum auch die Folge von Grttn- Weiss-Purpur als eine naturgemässe. Auch der blosse Uebergang nach Weiss gibt uns das Gefühl des Woblmotivirten und Sosein- sollenden. Wir sind nicht am Ziel, aber wir sind auf dem besten Wege. Umso bestimmter freilich fühlen wir uns, im Gegensatz zu Grün-Blau, das uns desorientirt, nach dem Ziele hingewiesen. Das Grün-Wei88 ist es eigentlich, von dem uns das Grün- Blau fühlbar hinwegdrängt. Auch das Grün allein enthält eine Aufhebung des Gleichgewichtes. Nur keine fühlbar zwangsweise. Es gibt einseitige Befriedigung, aber doch Befriedigung. Das Pur¬ pur stellt dann das Gleichgewicht wieder her und gibt eine in gewissem Grade allseitige Befriedigung. Will man von Farbendrei¬ klängen sprechen, so meine ich, es habe das Weiss oder je nach der Intensität der Farben ein helleres oder dunkleres Grau als allgemeinster und ursprünglichster Grundton zu gelten. Wir kön¬ nen dies Weiss oder Grau der Tonica der Melodie vergleichen,