340 Kap. XY. Die psychischen Verhältnisse i. umfassenderen Zusammenhängen. raerksamkeit und Interesse weniger in Anspruch, wenn vorher das weite Meer oder die gewaltige Gebirgsmasse unserem Blick sich darboten. Das ausgedehntere Objekt bietet eben den „Beziehungen* reichlichere Anknüpfungspunkte. Wie die Zunahme der Abflusstendenz sofort mit dem Auftreten des Eindrucks in der Seele, so beginnt natürlich die Lockerung der Beziehungen, also die Abnahme der Tendenz sofort mit seinem Niedergang. Darnach darf es uns nicht wundern, wenn ein Ein¬ druck, dessen wir müde waren, bald wieder mit einiger Stärke die Aufmerksamkeit festzuhalten und Befriedigung zu erzeugen vermag. Wir haben jetzt die psychologischen Contrasterscheinungen noch besonders in’s Auge zu fassen; zunächst die Erscheinungen des Farbencontra8tes. Wir meinten Kap. XII, die entgegengesetz¬ ten und sich ergänzenden Stimmungen, die an contrastirenden Far¬ ben haften, bezw. die diesen Stimmungen zu Grunde liegenden Weisen der Farben die Seele zu erregen oder in ihr abzulaufen, mit ihrem psychologischen Verhalten, ihrer Art sich zu heben und zu fördern, in Verbindung bringen zu müssen. Nun scheint zunächst der Gegensatz der Erregungsweisen wenig mit Hebung zu tun ha¬ ben zu können. Gegensatz erzeugt von Hause aus Hemmung. In der Tat muss denn auch der Gegensatz, der den contrastrirenden Far¬ ben zu Grunde liegenden seelischen Erregungsweisen zur Hervor- rufung von Hemmungen an sich wohl fähig gedacht werden. Spässe, lustige Lieder, die die feierliche gottesdienstliche Hand¬ lung begleiteten oder unterbrächen, würden als unmittelbare Belei¬ digung empfunden. Der Gegensatz, der hier zu Grunde liegt, ist aber ein analoger, wie ihn in abgeschwächtem Maasse auch contra- strirende Farben repräsentiren können. Aehnlich meinten wir auch schon, dass ernste Töne und fröhliche Farben als einander feind¬ lich empfunden werdeu-können. Nun wissen wir aber auch schon, dass die Wirkung des Vor¬ stellungsgegensatzes aufgehoben und in ihr Gegenteil verkehrt werden kann. Das Mittel ist die Tendenz des Abflusses der Vor¬ stellungen in’s allgemeine seelische Leben. Diese Tendenz macht, dass die Folge von Grundton und Quinte vor der Wiederholung des Grundtons psychologisch, und dem entsprechend auch ästhetisch, den Vorzug haben kann. Die Bedeutung, die die Quinte nach dem Grundton gewinnt, ist hierbei freilich zugleich positiv durch das