Andersgeartete Contrastwirkungen. 296 bracht. — Auch darauf kommen wir im letzten Kapitel des Ab¬ schnitts zurück. Endlich können wir den beiden genannten Arten des Contrastes eine dritte, gleichfalls psychologisch nicht unbedeutsame hinzu- ftigen. Sie steht speziell zur eben angeführten zweiten insofern im Gegensatz, als sie zum ersten Gliede des Contrastes frei ab¬ laufende, also mit Lust verbundene seelische Erregungen, zum zweiten ein Unangenehmes hat. Dies Unangenehme trifft, „wie ein Blitz aus heiterem Himmel6, d. h. es trifft heftiger und be¬ schäftigt intensiver, weil es unvorbereitet trifft. Ich verstehe aber hier unter dem Unvorbereitetsein nicht das blose Fehlen von Ele¬ menten, die auf das Unangenehme hinweisen und uns die Mög¬ lichkeit geben, uns bereits im voraus in gewissem Maasse damit abzufinden, also ihm seine Spitze abzubrechen, sondern vor allem das positive Beherrschtsein der Seele von solchen Erregungen, zu denen das Unangenehme in hemmenden Gegensatz treten kann, Jemehr derartige Erregungen herrschen und je freier sie ablaufen, umso energischer kommt der Gegensatz zur Geltung. Wie damit zugleich ein energischeres zur Geltung Kommen des Unangenehmen selbst gegeben sein könne, diese Frage fällt offenbar mit der früher gestellten, wie die grelle Disharmonie besonders deutlich sich auf¬ drängen und besonders intensiv beschäftigen könne, in eine zu¬ sammen. Dementsprechend verweisen wir für die Beantwortung der Frage ebendahin (Kap. XV), wohin wir für die Beantwortung jener Frage verwiesen. Es erhebt sich aber hier noch eine andere Frage. Ist das Unangenehme an sich, d. h. darum unangenehm, weil ob der all¬ gemeinen Natur der Seele entgegen ist, wie können dann beson¬ ders lebhafte, so oder so beschaffene einzelne Erregungen die Gegensätzlichkeit des Unangenehmen und damit die psychologische Bedeutung dieses selbst erhöhen? Die allgemeine seelische Natur wird ja durch jene zufällig vorhandenen Erregungen keine andere. Tatsächlich trifft uns aber auch das an sich Unangenehme, der körperliche Schmerz etwa, heftiger, wenn er in gewisse Arten ungestörter seelischer Erregtheit, in frohe Laune, heitere Unter¬ haltung unvermittelt hereinbricht. Offenbar ist dies nur möglich, wenn zwischen der allgemeinen seelischen Natur und ihren Er¬ regungszuständen überhaupt der Unterschied nicht gemacht werden darf, den wir gelegentlich zu machen schienen, oder, positiv