256 Kap. XL Die Tonverhältnisse. zwar nicht zugleich Teiltöne des Klarinettenklangs sind, aber doch hinsichtlich ihres psychologischen Verhaltens als solche gelten können. Sie verschmelzen mit ihm, als ob sie ihm ob¬ jektiv zugehörten. Also findet auch hier der Zusammenschluss der beiden Klänge zu einem Ganzen statt. Aber warum findet nicht ganz dasselbe statt, wenn der Klarinettenklang 150 Grundton¬ schwingungen hat? Und angenommen es findet statt, warum ergibt sich daraus keine Harmonie? Tatsächlich können einfache Töne, die nicht in einfachen Schwingungsverhältnissen stehen, verschmelzen. Wir sahen schon, dass in dem einen Trompetenklange der Art einfache Töne ent¬ halten sind. Da sie der Harmonie entgegenwirken, so kann nicht die Verschmelzung irgendwelcher Töne Harmonie erzeugen. Freilich Wundt führt die disharmonische Wirkung der hohen Obertöne der Trompete mit Helmholtz auf Schwebungen zurück. Kr übersieht aber, dass er damit seinen^ eigenen Standpunkt leug¬ net. „Je höhere Obertöne einen Klang begleiten, um so geringer werden die 'relativen* Unterschiede ihrer Schwingungszahlen. Bei Klängen, welche hohe und starke Obertöne enthalten, werden daher ähnliche Erscheinungen, wie beim Zusammenklingen nahe bei ein¬ ander liegender Grundtöne beobachtet; es entstehen scharfe Disso¬ nanzen der Obertöne“ etc. Nicht die relativen, sondern die ab¬ soluten Unterschiede der Schwingungszahlen sind es aber, die auch nach Wundt die Schwebungen und damit die Dissonanzen bedingen. Offenbar kann es sich im Gegensatz zu der Wundt’schen Erklärung des Harmoniegefühls aus der direkten Klangverwandt¬ schaft mit der Entstehung jenes Gefühles nur folgendermaassen verhalten. Zunächst ist Verschmelzung von Teiltönen von einem Gefühl der Harmonie begleitet lediglich dann, wenn die Teiltöne in einfachen Schwingungsverhältnissen stehen. Dass unter dieser Voraussetzung das Harmoniegefühl wirklich nicht fehlt, beweisen alle Klänge, bei denen nur die (womöglich sämmtlichen) tieferen Obertöne stark ausgebildet sind. Sie erwecken ein Gefühl der Befriedigung, das einfache Töne für sich nicht in gleicher Weise erzeugen und das der Befriedigung beim harmonischen Zusammen¬ klang analog ist. Wundt lässt das Gefühl der Befriedigung, das einzelne Klänge erregen, ebenso unerklärt, wie das Gefühl der relativen Unbefriedigung, von dem wir eben sprachen. — Zweitens,