Wundt’s Theorie der Klftngverwandtschaft. 266 bald nach der einen, bald nach der andern Seite bin abwichen. Selbst Schwebungen Hessen sich dabei unschwer vermeiden. Es ist klar, wozu das Experiment in Wirklichkeit führen müsste, zu den schlimmsten Disharmonien nämlich. Will man eine Probe davon haben und keine Stimmgabeltöne verwenden, so mache man den Versuch und lasse einen Klarinettenklang, dessen Grundton 150 Schwingungen macht, mit einem Hornklang von 320 Grundtonschwingungen zusammenklingen, gehe aber dem letz* teren die Stärke, die ihm zukäme, wenn die Klarinette seine sämmtlichen Teiltöne in gewisser Stärke miterzeugte. Jedermann weiss, dass daraus keine Harmonie sich ergeben könnte. Oder hat die objektive Zusammengehörigkeit der Teiltöne, ich meine ihr Erzeugtwerden durch ein Instrument, doch etwas zu bedeuten? Dann ändere man im eben angeführten Beispiel den Klarinettenklang so, dass sein Grundton 160 Schwingungen macht, und unterlasse zugleich die Verstärkung des Hornklangs, obgleich die natürlich in Wirklichkeit hier sowenig zur Sache tut, wie oben. Es ergibt sich daraus eine völlige Harmonie. Und doch fallen keine zwei Obertöne der Klänge zusammen. Doch es ist Zeit zu dem Zugeständniss, dass ich im Bis¬ herigen, teilweise wenigstens, eine Meinung bekämpft habe, die niemand hegt, sicher nicht Wundt. Die zusammenfallenden Teil¬ töne müssen Teiltöne sein, nicht objektiver*, sondern subjektiver¬ weise, wenn das Harmoniegefühl entstehen soll. Die Teiltöne III und VI, 2 und 4 etc. der Klänge K und Ki sind mit ihren Grund¬ tönen zu einheitlichen Klangempfindungën verschmolzen. Indem auch III mit 2, VI mit 4 etc. verschmilzt, werden die ganzen Klänge psychologisch aneinander gebunden und zu einem Ganzen zusammengefasst. Daher das Harmoniegefühl. Aber auch damit ist die Schwierigkeit nicht gehoben. Dass es psychologisch, also auch für’s Harmoniegefühl völlig gleicbgiltig ist, ob zwei gleiche, aber aus verschiedenen Quellen stammende Teiltöne sich zu einem stärkeren vereinigen, oder ob von vorn¬ herein nur dieser eine stärkere Teilton vorhanden war, dabei muss es ja bleiben. Zunächst freilich könnte dieser Umstand der Erklärung der Harmonie aus der Klangverwandtschaft zu statten kommen. Der Klarinettenklang von 160 Schwingungen, so kann man sagen, ergibt mit dem Hornklang von 320 darum eine gute Harmonie, weil die sämmtlichen Teiltöne des letzteren objektiv