382 Anleitung für ethnographische Beobachtungen und Sammlungen.*) Es wird gewiß unsere Leser interessieren die A n- leitungen kennen zu lernen, welche das Ethnographisehe Museum und das Physiologische Institut der Universität Berlin für die Beisenden herausgegeben hat, die bei fremden Yölkerstämmen phonographische Aufnahmen machen sollen. Wir geben dieselben hier wieder: I. Musik. 1. Jeder Beisende in einem noch wenig erforschten Gebiete sollte mit einem phonographischen Appa¬ rate ausgerüstet sein und möglichst viele Musikstücke und Gesänge aufnehmen. Bei der Auswahl der Stücke bevorzuge man nicht etwa solche, die dem Ohr des Euro¬ päers Zusagen, sondern berücksichtige möglichst alle unten angeführten musikalischen Aeußerungen. Auch gelegent¬ liche Aufnahmen von europäischen Melodien, von Ein¬ geborenen gesungen, sind erwünscht. Bei der Aufnahme ist nach folgender Anweisung zu verfahren : A. Ausrüstung. a. Phonograph mit Aufnahme- und Wiedergabe-Membrane, (1—2) Schalltrichter, Schlüssel. Für die Tropen Transmissionsriemen aus Leinengurt (nicht Leder oder Gummi). b. Beservemembranen oder Beparaturausrüstung. c. Oelkanne, Staubpinsel, Lederlappen, Schraubenzieher. d. Walzen, tunlichst vor Erschütterung, großer Hitze, Nässe (Schimmel) zu schützen (tropensichere Verpackung) ! e. Stimmpfeife (normal = 435). B. Aufnahme. a. Uhrwerk vor jeder Aufnahme ganz aufziehen. b. Uhrwerk gewöhnlich mit mittlerer Geschwindigkeit laufen lassen; bei sehr hoher, sehr leiser oder sehr schneller Musik große Geschwindigkeit. c. Der Apparat ist festzustellen und während der Aufnahme nicht zu verrücken. d. Jede Aufnahme ist damit zu beginnen, daß das a des Stimmpfeifchens in den Apparat hineingeblasen, dann die Journalnummer und der Titel der Aufnahme hinein¬ gesprochen wird. e. Schallkörper des Instruments, Mund des Sprechers oder Sängers möglichst dicht an den Schalltrichter bringen, ohne diesen zu berühren. Bichtige Stellung und Ton¬ stärke durch eine blinde Aufnahme ausprobieren (Uhr¬ werk laufen lassen, ohne die Membrane zu senken). f. Der Sprecher (Sänger) oder ein Zweiter möge, wenn angängig, den Takt durch Händeklatschen oder Trommel¬ schläge markieren (möglichst nahe der Schallöffnung des Trichters). Eventuell zwei durch ein T-Bohr ver¬ bundene Trichter benutzen. g. Von Stücken, bei denen Mehrere zusammen nicht unison musizieren, sind auch die einzelnen Stimmen, jede für sich aufzuuehmen, usw. in der Weise, daß die eine Stimme unmittelbar vor dem Trichter, die andere im Hintergründe aufgestellt werden, so daß bei jeder Auf¬ nahme zwar Alle spielen, aber durch den jedesmaligen Platzwechsel immer eine andere Stimme in den Vorder¬ grund tritt. h. Nach Gesangaufnahme ist der tiefste und höchste Stimm¬ ton des Sängers aufzunehmen (Stimmumfang). *) Siehe auch den Artikel in Nr. 41 vom 11. Oktober 1006. 8. Jahrg. No. 15 i. Instrumentalmusiker mögen die vollständige Skala ihres Instrumentes in der bei ihnen üblichen Beihenfolge in den Phonographen hineinspielen (vgl. 5 D). Bei Saiten¬ instrumenten sind auch die leeren Saiten für sich auf¬ zunehmen. k. Nach Gesangsaufnahmen ist der gesprochene Text auf¬ zunehmen. Ebenso bei Trommelsprache. l. Ist die Walze vor dem Abschluß der Melodie abgelaufen, so ist diese noch besonders aufzunehmen. m. Jede Aufnahme ist sofort probeweise einmal ganz zu reproduzieren. Spätere Beprodüktionen möglichst unterlassen, um die Walze zu schonen. n. Notierung der Journalnummer und des Titels der Auf¬ nahme auf der Walzenschachtel. o. Möglichst sorgfältiges Ausfüllen des Journals. p. Es empfiehlt sich, von einem Musikstück gelegentlich zwei Aufnahmen an verschiedenen Tagen zu machen (auch von verschiedenen Musikern). 0. Journal. a. Fortlaufende Nummer. b. Datum und Ort. c. Person des Sprechers oder Musikers: I. Volksstamm. II. Name. III. Alter. IV. Geschlecht. V. Beruf. VI. Schulunterricht (Missionsunterricht, Kenntnis europäischer Musik). VII. Zeitweiliger Aufenthalt außerhalb der Heimat. VIII. Ansehn bei den Stammesgenossen inbezug auf musikalische Begabung. d. Gegenstand der Aufnahme: I. Sprache (Konversation, Deklamation?). II. Gesang (Solo, Zwiegesang, Chor, Instrumental¬ begleitung ?). III. Instrumentalmusik. IV. Titel des Stückes. V. Gattung des Stückes (Tanzgesang, religiöser, Gesang usw.). VI. (Eventuell) Einheimischer Name der Tonart oder des Melodieschemas (vgl. 17 b). e. Text des Gesanges, der Sprachprobe oder der Tremmel- sprachprobe in möglichst sorgfältiger phonetischer Transcription, womöglich mit Interlinear-Uebersetzung, mindestens Angabe des Sinnes. f. Existiert einheimischeNotation des aufgenommenen Stückes? Eventuell Notierung in derselben. g. Bemerkenswerte Nebenumstände (Haltung, Ausdruck, Gebärden des Vortragenden; Tanz, Ceremonien). Vgl. 6, 20. 2. Musikinstrumente sind bisher von den meisten Stämmen nur ganz unvollständig in den Sammlungen vertreten, sind daher möglichst vollständig zu sammeln. Wo die Einsendung der Originale untunlich, sind möglichst genaue Beschreibungen mit Photographien (von verschiedenen Seiten aufgenommen), Skizzen der technischen Details (z. B. bei Trommeln der Durchschnitt, die Spannvorrichtung u. a.), Angabe der Dimensionen sehr erwünscht. Angaben wie z. B. „die übliche Form“ und ähnliche zu vermeiden, weil oft selbst kleine Abweichungen wichtig sind. Der ein¬ heimische Name, sowohl der Instrumentengattung als auch PHONOGRAPHISCHE ZEITSCHRIFT