745 Sprachlaute und Instrumentalklänge. Von C. Stumpf in Berlin. (Eingegangen am 21. Juli 1926.) Die Analyse gesungener Vokale durch mit- und nachschwingende Stimmgabeln lieferte Tabellen ihrer Teiltöne, deren relative Stärken geschätzt wurden. Durch Systeme von Interferenzröhren wurden sodann die Vokale ab- und aufgebaut. Dieses Verfahren lieh sich auch auf geflüsterte Vokale und auf Konsonanten an¬ wenden. Es lehrte Genaueres über die entscheidenden Frequenzzonen. Endlich wurden die stimmhaften Vokale durch Kombinationen völlig einfacher, ihrer Stärke nach regulierbarer Töne nachgebildet. Die gleichen Methoden wurden auch auf Instrumentalklänge angewandt. Einer Anregung aus physikalischen Kreisen folgend, versuche ich im nachstehenden, aus den Ergebnissen experimentell - phonetischer Studien, die mich viele Jahre beschäftigten1), das in physikalischer Hinsicht Wesentlichste herauszuheben. Bekanntlich kommen nach Helmholtz die Vokale dadurch zu¬ stande, daß aus dem durch die Stimmlippen erzeugten obertonreichen Klange einzelne harmonische Teiltöne durch die Resonanz des darauf eingestellten Mundraumes verstärkt werden. Diese „charakteristischen Töne“ besitzen für jeden Vokal eine feste, von der Höhe des Grund tones unabhängige Höhenlage. Im letzteren Punkte stimmte ihm Hermann zu, der für diese Töne den zweckmäßigen Ausdruck „Formanten“ und für ihre genaue Bestimmung mit großem Erfolge die phonophotographisehe Methode einführte. Aber er dachte sich durch den im Rhythmus des Grundtones intermittierenden Luftstrom den Mundraum nach Art einer Pfeife angeblasen und die Formanten der Regel nach unharmonisch zum Grundton. In der Zeit, als meine Untersuchungen begannen (1913), er¬ schien den meisten diese Prinzipienfrage noch unentschieden ; aber auch in bezug auf die Bestimmung der Formanten gingen die zahlreichen, namentlich nach graphischen Methoden angestellten Untersuchungen in einer so entmutigenden Weise (bis zu drei Oktaven) auseinander, daß Sprachforscher vielfach die akustisch gerichtete Phonetik für hoffnungslos ansahen und die Definition der Sprachlaute lediglich auf die Beschreibung !) Nach vorläufigen Mitteilungen in den Sitzungsberichten der Preußischen Akademie seit 1915 sowie in den „Beitr. z. Anatomie . . . des Ohres .. von Passow und Schaefer seit 1919 ist ein zusammenfassendes Werk: „Die Sprach¬ laute. Exp.-phon. Unters. Mit Anhang über Instrumentalklänge“, soeben im Ver¬ lage Julius Springer, Berlin, erschienen. 49 *