— 272 — [182 Universitäten, ein Theil der nothwendigen Vorbedingungen noch fehlt. Diese Forderung ist die, dass kein Mediciner oder Jurist, kein Theologe oder Pädagoge von der Universität in den Beruf übertreten darf, ohne in gründlicher, von der Philo¬ sophie unabhängiger Prüfung seine Kenntniss der psychologischen Erscheinungen erwiesen zu haben. Für den Mediciner müsste die Prüfung, vielleicht an Stelle der Botanik, ins Physikum gelegt werden, damit seine psychologischen Studien den nervenpatholo- gischen und psychiatrischen vorangehen; beim Juristen müssten die psychologischen Studien jedenfalls vor dem Studium des Straf¬ rechts, beim Lehrer vor dem Studium der Pädagogik absolvirt werden. Die aufwachsende und die kranke, die schuldbeladene und die trostsuchende Menschheit muss darunter leiden, wenn Lehrer und Aerzte, Richter und Prediger nichts von dem see¬ lischen Leben wissen; sie stehen auf derselben wissenschaftlichen Höhe wie der Kurpfuscher, der ein paar Heilmittel kennt, aber niemals Anatomie gelernt hat. Das aber dürfte unsere metho¬ dologische Betrachtung genügend bewiesen haben, dass aus blosser praktischer Menschenkenntniss oder gemüthvoller Selbsteinschau dieses Wissen unmöglich geschöpft werden kann. Auch hier haben die Götter vor die Tugend den Schweiss gesetzt.