— 242 — [152 impulse hervor, kurz positiv tritt nichts ein, was nicht auch im wachen Zustand eingetreten wäre, falls alle gegenwirkenden hem¬ menden Vorstellungen unterdrückt wären. Die Wirkung der Hypnose ist also lediglich negativ; sie unterdrückt alle Vorstellungen, welche der vom Hypnotiseur erweckten Vorstellung widersprechen, d. h. deren centrale Erregung mit antagonistischen peripheren Wirkungen verbunden wäre. Der Hypnotisirte, dem ich sage, dass er im Garten ist, und der des¬ halb etwa an den Wänden des Zimmers Blumen pflückt, thut nichts anderes, als was er im wachen Zustande auch thäte, wenn die gegenwirkende Vorstellung, dass er im Zimmer sitzt, für ihn nicht vorhanden wäre. Der Experimentator vermag mithin einen künstlichen Eingriff in den psychischen Mechanismus des Hypnotisirten derart vorzunehmen, dass er, ohne nach der positiven Richtung des Vorstellens, Urtheilens, Fühlens und Wollens etwas hinzuzufügen, negativ beliebige Complexe des Bewusstseinsinhaltes ausschalten kann. Wäre das letztere nicht, so wäre die Hypnose vom wachen Zustand nicht verschieden; wäre aber das erstere nicht, würde also das Bewusstsein des Hypnotisirten völlig leer sein, so dass die suggerirten Vorstellungen isolirt blieben, ohne das Räderwerk des normalen geistigen Geschehens in Bewegung zu setzen, so würde, was meist übersehen wird, von einem Ex¬ periment an Hypnotisirten gar keine Förderung für die Psycho¬ logie zu erwarten sein. Welchen Werth sollte es haben, ganz bestimmte einzelne Bewusstseinsinhalte isolirt in dem sonst leeren Bewusstsein hervorzurufen, da doch der Experimentator diese Inhalte schon in sich selbst erzeugt haben muss, um sie zu sugge- riren, die Suggestion somit lediglich eine Reproduktion des schon bekannten Inhaltes wäre, ohne dass daraus etwas hinzugelernt werden könnte. Die Hypnose wäre dann ein interessantes psycho¬ logisches Phänomen, das der Erklärung bedürfte, sie würde aber nicht selber zur Erklärung psychischer Erscheinungen Dienste leisten. Das vermag sie vielmehr lediglich deshalb, weil die sugge- rirte Vorstellung jeden normalen Bewusstseinsinhalt intakt lässt, der mit ihr nicht in Conflikt geräth, und somit alle geistigen Functionen zu normaler Thätigkeit anregt. Wenn der Hypnotisirte eine einzelne Vorstellung sich aneig-