151] 241 8. Unendlich wichtiger für die Psychologie und heute noch gar nicht in ihrer Tragweite zu ermessen sind nun aber diejenigen Experimente, die nach ganz anderer Richtung sich an die Unter¬ suchungen mit Geisteskranken anschliessen, die Experimente in der Hypnose. Auch bei ihnen wird ein abnormer Bevusst- seinszustand verwerthet, aber derselbe unterscheidet sich von den krankhaften Zuständen nicht nur dadurch, dass er künstlich hei- vorgerufen und jeden Augenblick künstlich beseitigt weiden kann, sondern vor allem dadurch, dass er während seiner Dauei den abnorm fungirenden Geist in enger Abhängigkeit von bestimmten äusseren Einflüssen lässt. Richtiger gesagt, in dieser ungewöhnlich starken Abhängigkeit der psychocentralen Vorgänge von bestimmten äusseren Einflüssen besteht die ganze Abnormität des Zustandes, der, da wir jene Einflüsse willkürlich beherrschen können, die günstigsten Bedingungen für experimentelle Ausnutzung darbietet. Die Fülle hypnotischer Phänomene lässt sich ja psychologisch nur von einem Punkt aus begreifen: Hypnose ist ein Zustand ge¬ steigerter Suggestibilität, erhöhter Fähigkeit also, Suggestionen aufzunehmen. Suggestionen beherrschen jedes normale Geistes¬ leben, denn Suggestion nennt die Psychologie jede Vorstellung, die so beschaffen ist, dass alle ihr entgegenwirkenden Vorstellungen gehemmt sind. Ohne Suggestionen würde es keine Kunst und keine Religion, keine Wissenschaft und keine Politik, keine Er¬ ziehung und keine Ueberzeugung geben; Suggestionen sind also normale Phänomene, die durch ihre nahe Verwandtschaft zu den Phänomenen der Aufmerksamkeit und der Abstraktion an Begreif¬ lichkeit gewinnen und deren Erklärung von dem früher berührten Hemmungsgesetz auszugehen hat. Die Hypnose ist nun der Zu¬ stand, in welchem Suggestionen leichter entstehen, und ganz be¬ sonders diejenigen Vorstellungen, welche der Hypnotiseur anregt, zu Suggestionen werden, denen gegenüber alle gegenwirkenden Vorstellungen, also auch die früher erworbenen Suggestionen, unter¬ drückt sind. Positiv bringt die Hypnose den in normaler Weise durch Sprache, Schrift oder Gesten angeregten Vorstellungen mit¬ hin gar nichts Abnormes hinzu; die aus der Erfahrung gewon¬ nenen Associationen gliedern sich vielmehr ganz in der üblichen Weise an die Vorstellungen an, erwecken Gefühle, bringen Willens-