t — 240 — [150 • selbe erreichen, indem sie die abnormen Verstärkungen einzelner Faktoren untersucht. Das Eingreifen des Experimentes wird dagegen für beide Fälle in sehr ungleichem Maasse möglich sein ; bietet das kindliche Bewusstseinsleben dem Experiment unzählige Anhaltspunkte, so werden die Abnormitäten des Geisteskranken nur in sehr geringem Grad durch künstliche Bedingungen so be¬ einflusst werden, dass die Psychologie davon Förderung erwarten könnte. Gewiss kann etwa der übersprudelnde Vorstellungsström des Maniakalischen vorübergehend künstlich nach bestimmten Richtungen gelenkt und so der Associationsmechanismus näher studirt werden, oder es kann die Stärke der verschiedenen Reize verglichen werden, die nöthig sind, um die Aufmerksamkeit des Melancholischen zu fesseln, oder es können die Wahnideen bei ihrem Entstehen willkürlich beeinflusst werden. Selbst zeitmessende Versuche sind bei Geisteskranken ausführbar; es ergab sich dabei meist als zweckmässigste Methode, die Versuche so anzustellen, dass der Kranke glaubt, er mache eine hervorragende wissen¬ schaftliche Arbeit, ohne zu ahnen, dass die Bewegungen, die er ausführt, zur Messung seiner eigenen Bewusstseinsvorgänge dienen. Die psychologisch interessantesten Patienten sind jedenfalls die hysterischen, deren abnorm .starke psychische Reaktion vornehm¬ lich das experimentelle Studium der Affekte erleichtert. Auch die hysterische Anästhesie hat, besonders in Frankreich, zu sehr an¬ regenden Experimenten Anlass gegeben; die methodologische Be¬ trachtung wird freilich energisch darauf hinweisen müssen, dass Heucheln und Betrügen bekanntlich zum Symptomencomplex der Hysterie gehört und Betrogenwerden zum Symptomencomplex der Gelehrsamkeit. An die experimentelle Verwerthung pathologischer Fälle schliessen sich die Versuche an solchen Individuen an, deren ge¬ sund constituirter Bewusstseinsinhalt durch periphere körperliche Defekte oder Störungen abnorme Verhältnisse darbietet; so können wir höchst instruktive Versuche über Bewegungsempfindungen und Raumvorstellungen an gelähmten Muskeln, über Schmerzempfin¬ dungen in amputirten Gliedern, über Geschmacksempfindungen nach exstirpirter Zunge anstellen; bekannt sind auch die Experimente an operirten Blindgeborenen und Aehnliches.