149] 239 — fünfmal zu Definitionen derselben concreten oder abstrakten Be¬ griffe veranlasste und so die constanten Elemente in den zu ver¬ schiedenen Zeiten gegebenen Definitionen feststellen konnte. Den bedeutsamsten Versuch, die experimentelle Methode in der Kinder¬ psychologie mit einfacher Beobachtung zu combiniren, stellt jeden¬ falls das bekannte Buch von Preyer dar. Die Grenzen dieser Methode liegen einerseits darin, dass die Ausdrucksbewegungen des kleinen Kindes nicht immer sicher be- urtheilt werden können, vor allem aber darin, dass die körperliche und geistige Entwickelung des Kindes selbstverständlich keinerlei Schaden leiden darf. Es fragt sich, ob nicht schon die häufige Wiederholung eines Reizes oder dergleichen das kindliche Nerven¬ system mehr angreift, als der Experimentator verantworten kann. Jedenfalls aber sind theoretisch naheliegende Experimente, bei denen etwa ein künstlicher Defekt im Geistesleben des Kindes hergestellt wird, z. B. durch Unterdrücken jeder Sprachanregung, durch relativ andauerndes Verbinden der Augen u. s. w., oder bei denen heftige Affekte erregt werden, praktisch unbedingt ausge¬ schlossen; da müssen wir uns mit der Beobachtung an den trau¬ rigen Einzelfällen begnügen, in denen die Natur für uns experi- mentirt. Kaum besonderer Erwähnung bedarf es, dass die Gefahr, individuelle Zufälligkeiten zu generalisiren, bei der Kinderpsycho¬ logie ganz besonders beachtet werden muss; die Gefahr liegt um so näher, als der Einzelne ja zu eingehenderen Erfahrungen meist nur in der Kinderstube des eigenen Hauses Gelegenheit hat und überdies bisher entschieden aus begreiflichen Gründen die erst¬ geborenen Kinder den wissenschaftlichen Vorrang hatten, die Unter¬ suchungen also meist angestellt wurden, ehe häusliches Vergleichs¬ material zur Verfügung stand. 2. Bei der Untersuchung unter natürlichen Bedingungen inter- essirte uns neben dem kindlichen vornehmlich das krankhafte Seelenleben, da beide in einer wechselseitig sich ergänzenden Weise von dem normalen Bewusstseinszustand des entwickelten Menschen unterschieden waren; die genetisch-psychologische Be¬ trachtung kann die in einander greifenden Faktoren des normalen Geistes dadurch zerlegen, dass sie ihr succedirendes Auftreten beobachtet, die pathologisch-psychologische Betrachtung kann das-