223 133] die Seele es wollte, das geht den Physiologen, aber nicht den Psychologen an. Bei den psychopetalen Vorgängen konnte man die Körperphänomene nicht gut unberücksichtigt lassen, weil die gesammten Vorstellungen durch sie bedingt waren; bei den psycho- fugalen Vorgängen dagegen schien diese Rücksicht überflüssig, da hier das Psychische die Ursache, das Physische die Wirkung war, das Physische also nichts zur Erklärung des Psychischen beitragen konnte. Und noch gleichgiltiger als die gewollten Vorgänge der Körperperipherie erschienen die nicht gewollten, jene Spannungen, Bewegungen, Secretionen u. s. w., welche bei Gefühlen und Ge- müthsbewegungen, Vorstellungen und Trieben, ja selbst bei ein¬ fachen Empfindungen auftreten. Sie waren einfach „Begleit¬ erscheinungen die im Allgemeinen nichts Wesentliches zum psychischen Vorgang hinzubrachten. Diese Auffassung war natürlich die nächstliegende, so lange die Psychologie unter der Suggestion stand, dass unsere psychischen Elemente vornehmlich unseren fünf Sinnen entstammen, die Be¬ deutung der von den Muskeln, Gelenken, Drüsen u. s. w. aus¬ gelösten Empfindungen also im Wesentlichen übersehen wurde. Dass dieser Standpunkt heute nicht mehr haltbar ist, besprachen wir schon bei den psychopetalen Processen; es lässt sich eben nicht verkennen, dass die Quelle der für unser Geistesleben wich¬ tigsten, für die Constitution unserer Vorstellungen, Urtheile, Ge¬ fühle, Willensakte in gleicher Weise massgebenden Bewusstseins- elemente nicht in den eigentlichen Sinnesorganen, sondern in den inneren peripheren Körpertheilen, den Muskeln, Gelenken, Drüsen, Gefässen, Sehnen, Eingeweiden u. s. w. liegt. Ist das der Pall, so entsteht natürlich die Frage, wie jene inneren Organe dazu kommen, centripetal Erregungen zum Bewusstsein zu senden, die sich mit den Sinnesorganerregungen verbinden. Die äusseren Ob¬ jekte rufen lediglich die letzteren hervor, die ersteren müssen also anderen Ursprung haben. Zufällig kann ihr Auftreten auch nicht sein, da sie sich fortwährend in engster Beziehung zu den Sinnes¬ erregungen erweisen. Es bleibt nur die Annahme, dass die cen¬ tralen psychophysischen Erregungen, durch centripetale Reize an¬ geregt, fortwährend zu Quellen centrifugaler Impulse werden, deren periphere Wirkung sich in Bewegungen, Spannungen, Gelässver-