68 machen versucht, wird von der Richtigkeit überzeugt und zieht die nötigen Konsequenzen; wer es nicht Selbst macht, kann aus blossen Zahlen da keine Ueberzeugung gewinnen, weil der Ein wand möglich ist, dass im letzteren Fall nicht nur die Spannungen unbeachtet blieben, sondern eben die Aussagen des Zeitsinns. Nun die vorher geschilderten Ver¬ suchsreihen sind einem solchen Ein wand nicht ausgesetzt, da ihre Faktoren durchaus objektiver Prüfung zugänglich sind und gerade sie haben aufs deutlichste bewiesen, dass es einen besonderen Zeitsinn unseres Bewusstseins nicht gibt, dass die Veränderungen unserer psychophysisch bedingten körperlichen Spannungen und Entspannungen den Massstab unserer Zeit¬ vorstellung bilden. In der körperlich bedingten Periodizität dieser Spannungen liegt die einzige Ursache für die Er¬ scheinungen, welche bisher den Irrtum erweckt hatten, als käme dem Bewusstsein selber Periodizität zu ; nicht die phy¬ sisch unbedingte transcendentale Apperception fungiert in ihrer Zeitauffassung periodisch, sondern diejenigen physiolo¬ gischen Erregungen, deren centripetale Wirkung unsere Zeit¬ vorstellung ist, unterliegen periodischem Wechsel. Der scheinbar exakteste Beweis dafür, dass unser Bewusstsein nicht nur des psychophysisch gebotenen Bewusstseinsinhaltes sich bewusst wird, sondern in ihn auch aktiv eingreift und seine Beziehungen zu demselben verändert, hat sich als eine Reihe unkritischer Irrtümer ergeben. Nicht dem Bewusst¬ sein sind die periodischen Schwankungen des Zeitsinns zuzu¬ schreiben, sondern dem Bewusstseinsinhalt und kein Bewusst¬ seinsinhalt schwankt und verändert sich, wenn nicht körperliche Zustände, in unserem Fall die Spannungen der Muskeln, sich irgendwie verändern. Die Metaphysik muss es sich wieder einmal gefallen lassen, dass ein Besitzanspruch des tran- scendentalen Bewusstseins für ungültig erklärt wird und dem sensomotorischen Reflexapparat des Körpers übertragen wird.