175 Auswahl eintritt, durch welche die unpassenden Associationen verworfen werden, die passende behalten wird ; der erste Vor¬ gang wäre also nur ein Bruchteil des zweiten gewesen und dennoch dauert er länger als dieser. Die Associationstheorie befindet sich auch mit dieser Thatsache in bester Ueberein- stimmung. Zunächst müssen wir uns dabei das früher erlangte Er¬ gebnis vergegenwärtigen, dass nämlich bei allen solchen Versuchen von einem blossen Associationsvorgang, der irgend¬ wie im Gegensatz steht zu einer Urteilsbildung, gar nicht die Rede sein kann; das, was in den üblichen Versuchen freie Association genannt wurde, ist nichtsdestoweniger ein richtiges vollständiges Urteil. Wenn der Experimentierende ein Wort zuruft und der Reagierende daraufhin ein associiertes Wort hervorstösst bei gleichzeitigem Druck auf den elektrischen Stromschlüssel, so ist jenes associierte Wort so zu verstehen, dass es die Antwortsreaktion auf einen ganzen Satz ist, dessen übrige Glieder nur schon durch die vorherige Verabredung festgestellt sind. Der Satz lautet: nennen Sie möglichst schnell ein Wort, das in Beziehung steht zu dem Wort X; kein Zweifel, dass die Antwort ein wirkliches Urteil ist, dessen Aussage wieder einen Satz enthält, nämlich: das Wort Y steht in Beziehung zu X. Nun haben wir inzwischen uns auch den psychophysischen Vorgang der Urteilsbildung verdeutlicht. Wir sahen, jedes Urteil beruht auf dem Identitätsverhä-ltnis und besagt, dass derjenige psychische Inhalt, der durch die Beziehung zu der und der Association bezeichnet wird, derselbe ist, welcher durch die und die Association bezeichnet werden kann. Bei jener freien Association bestand die Urteilsbildung also in der Aussage: der psychische Inhalt, der dadurch bezeichnet wird, dass er mit dem Wort X in Beziehung steht, wird gleichzeitig auch durch das Wort Y bezeichnet. Es gilt also in erster Linie, den in der Frage bezeichneten Inhalt auch für die Antwort festzuhalten und ausserdem diesem selben Inhalt neue