59 Und was von uns selbst gilt, gilt erst recht natürlich von jeder fremden Persönlichkeit; bei ihr sind uns ja nicht einmal jene beiden Systeme gegeben, sondern nur das eine, das materielle. Wir sehen und hören nicht den fremden Be¬ wusstseinsinhalt, sondern nur die Ausdrucksbewegungen, aus denen wir darauf schliessen, dass auch bei jener fremden Persönlichkeit die materiellen Vorgänge, die wir wahrnehmen, von ähnlichen Vorgängen begleitet sind, wie bei uns selbst; wir konstruieren so das zweite System hinzu, müssen mithin auch konsequent unsere Ergänzung so weiterführen, dass wir dort dasselbe annehmen, was wir in uns finden, nämlich dass vom Standpunkt des fremden Bewusstseins auch wieder das Bewusstsein die absolut gesetzte Vorbedingung ist, nicht eine unter anderen Eigenschaften. So sehen wir, dass unser Ich als Objekt lediglich die aus mannigfachen Elementen in lang¬ samer Entwicklung im Bewusstsein aufgebaute Vorstellung der Persönlichkeit ist, zuerst nur die Vorstellung desjenigen Leibes, dessen Alteration Gefühle ins Bewusstsein rief und dessen Bewegungen den im Bewusstsein auftauchenden Willens¬ impulsen entsprachen, bis im Bild dieser Persönlichkeit immer mehr Faktoren des immateriellen Systems in den Vordergrund traten; das Bewusstsein selbst aber ist nur. fälschlich jener Persönlichkeit als Eigenschaft beigelegt. Gerade das Umgekehrte gilt von dem Ich als psychisches Subjekt, also von derjenigen Ichpersönlichkeit, welche wirk¬ lich die Bewusstseinszustände erlebt; auch sie ist ein Produkt einer für praktische Zwecke geeigneten, auf unkritische Ana¬ logie gestützten Ausdrucksweise. War bei dem objektiven Ich fälschlich der Persönlichkeit Bewusstsein zu¬ geschrieben, so wird bei dem subjektiven Ich das Bewusstsein fälschlich auf eine Persönlichkeit bezogen. Gegeben ist ja nur der Bewusstseinsvorgang und nur dem Umstand, dass wir ihn wie jeden Vorgang, sobald wir ihn uns objektiv vergegenwärtigen wollen, unter dem aus der Anschauungssphäre entnommenen Bilde einer Thätig-