11 Einer der ersten Beweisgründe, die vorgebracht wurden, war der¬ jenige J. Müller’s,1) dass wir vor der Bewegung, bevor wir ein Gewicht heben oder eine Treppe hinansteigen, den anzuwendenden Grad der Anstrengung vorausempfinden können. Nach dem Aus¬ sehen des zu hebenden Gewichtes schätzen wir mit grosser Ge¬ nauigkeit die dazu nothwendige Anwendung der Kraft, da wir von früher ausgeführten Versuchen noch wissen, wTie gross die Intensität des motorischen Impulses sein muss, um ein so aus¬ sehendes Gewicht zu heben. Diese Anticipation regulirt die Stärke des Impulses, den wir jetzt anwenden. Diese Anticipation ist aber nichts anderes als eine durch Association erweckte Erinnerungs¬ vorstellung der die früher ausgeführten Bewegungen begleitenden sensorischen Effekte. Die Erwartung dieser bestimmten Em¬ pfindungen führt direkt die Bewegung herbei, welche diesen Em¬ pfindungen entspricht. 1st nun das Gewicht so schwer, dass es durch einen so anticipirten Impuls nicht gehoben werden kann, so entsteht die Erinnerungsvorstellung, und dadurch die Ausführung einer grösseren Anstrengung der Brust-, Kopf-, Rücken- und Arm¬ muskeln, und das Gewicht wird gehoben. Hier also haben wir keinen Beweis, dass wir die centrifugale Erregung empfinden. 2. Ein anderes Argument wird von Wundt vorgebracht. Wenn unsere motorischen Gefühle lediglich von peripheren Em¬ pfindungen herrührten, so müsste die Grösse der Kontraktion immer der Empfindung der aufgewandten Anstrengung entsprechen. Aber das ist nicht der Fall. „Der Paralytiker, der sein vollständig ge¬ lähmtes Bein aufzuheben sucht, hat eine Empfindung von Kraft¬ anstrengung, obgleich alle jene Elemente der Bewegungsempfindung fehlen müssen, die in der Contraction der Muskeln, in den Ver- ' c Schiebungen und dem Druck der Hauttheile ihre Quelle haben.2)“ Und Wundt meint, dass diese Empfindung von Kraftanstrengung abhängig ist von der Stärke des Bewegungsimpulses, der von dem Centralorgan ausgeht. Ferri er dagegen weist nach, dass sie B Handbuch d. Physiologie. 1840, Bd. IL, S. 500. 2) Wundt : Grundzüge der phys. Psych, 3. Aufl., 1887, Bd. I, S. 403. ê