273 so finden wir bei fallender Temperatur ein zu langes Verbleiben der Embryonen im Ei (und Mutterleib), bei steigender ein vor¬ zeitiges Verlassen („Pözilogonie“ — Giard). Die lange ge¬ tragenen Embryonen oder in der Kälte langsam entwickelten Eier erreichen die Ausschliipfschwelle später, die in der Wärme entstehenden Frühgeburten und rasch entwickelten Eier aber die Ausbildungsschwelle. Die Metamorphose, welche bei Insekten kurz vor der Geschlechtsreife eintritt, kann bei steigender Temperatur soweit vor der Geschlechtsreife eintreten, daß keine ordentlichen Keimprodukte mehr gebildet werden können. Dasselbe Diagramm kann übrigens für den Einfluß der Autotomie der großen Schere bei heterochelen Krebsen auf die Ausbildung der einen oder anderen Seite zur Knackschere verwendet werden. Es kommt darauf an, ob Wachstum oder Regeneration der Scheren früher eine be¬ stimmte Schwelle erreichen, die für das Voraneilen im Knack¬ typus maßgebend ist. Gleichzeitiges Erreichen ‘kann sogar zu beiderseitiger Knackschere führen. Ferner ist auch dasselbe Dia¬ gramm für die Erläuterung der Intersexe an Stelle der zuerst von Goldschmidt zur Wahl gestellten beiden Diagramme (Z. ind. Aistl. 31, 100, 1923, S. 125) verwertbar. Es ist von demselben später (G. und Minami 1927 Stud. Mend.) gebraucht worden, um eine geschlechtsgebundene von einem Außenfaktor beeinflußte phänotypische Färbung darzustellen. Bei gleichzeitiger Erbanlage für beide Geschlechter käme es darauf an, ob die Sch-wellen während der Ausbildung der Geschlechtscharaktere alle gleichzeitig für dasselbe Geschlecht erreicht werden oder nicht. Durch Temperatur lassen sich auch hier weitere Verschiebungen vornehmen. Solche „morphodynamische“ (Paul Weiß, vgl. auch Brandt 1928, 54) [XV, 8] Betrachtungen erlauben es, jenes anscheinende Paradoxon aufzuklären, daß bei ähnlichem Furchungstypus der Re¬ gulationstypus bei verschiedenen Tiereiern normalerweise verschieden* ist, indem das einemal aus jedem Eibruchstücke verkleinerte, ganze Embryonen, das anderemal Bruchstücke von Formen entstehen. Nehmen wir unsere beiden Sätze der Unabhängigkeit der einzelnen Prozesse, also hier der Furchung und Organdeterminierung sowie der zunehmenden Potenzverarmung zu Hilfe, so ergibt sich folgendes Bild: Wird die Furchung beschleunigt, die Organbildung aber nicht, so werden noch auf weitvorgeschrittenen Furchungsstadien die Blastomeren totipotent sein, und aus ihnen bei entsprechender Teilung ganze verkleinerte Embryonen hervorgehen. Ist umgekehrt Przibram, Experimentalzoologie. 6. Zoonomie. 13