Einleitung. „Das wahrhaft Gute ist wirksam und schöpferisch, schafft sich Raum, Nahrung und Verbündete.“ Emerson. „Gute Klaviermusik spielen und dabei sehr schlecht Piano¬ forte studieren, ist das Los der musikmachenden Klavierspieler,“ schreibt Friedrich Wieck, der alte Klavierpädagoge, in seinem kleinen Buch über „Klavier und Gesang“; und ich meine, dass seit der Zeit, in der Wieck diesen Ausspruch tat, er seine Be¬ rechtigung nicht verloren hat, sondern im Hinblick auf das mehr und mehr hervortretende Virtuosenspiel, welches so oft die Technik mehr als Selbstzweck gebraucht, anstatt sie zur Dienerin der wahren Kunst zu machen, nur in erhöhtem Masse als richtig gelten kann. Das heutige Klavierspiel ist mehr auf äusserliche Mittel ge¬ richtet, indem wTir Virtuosität, Bravour, Schnelligkeit und Glanz aufs höchste ausgebildet finden; das sinnige, innerliche Spiel dagegen, das erforderlich ist, um die unvergänglichen Kompo¬ sitionen der alten Meister in ihrer seelenvollen polyphonen Schreibweise in voller Klarheit und Reinheit wiederzugeben, ist mehr und mehr in den Hintergrund getreten*), und *) Es sei in diesem Zusammenhänge an einen Ausspruch Hans von Biilows erinnert: „Mozart ist verflucht schwer; es kommt die Zeit, und viel¬ leicht sehr bald, wo man im Konzertsaale eine Mozart’sche Sonate der Rigo- „letto-Fantasie von Liszt vorzieht.“ Pfeiffer, Studien bei Hans von Bülow, Seite 96. 1