68 Akustik. als die Luftsäulen, in deren Schwingungen der Ton besteht. Dies ist nicht der Fall in dem Gebiete der nicht zu den menschlichen Athmungswerkzeugen gehörigen Töne, bei welchen, wie gesagt, die Tonschwingungen mit den Klangschwingun¬ gen in der Art harmoniren, dass letztere immer kleiner wer¬ den, je nachdem die Tonschwingungen zahlreicher,- also auch kleiner werden, und umgekehrt. So wäre denn endlich das bis jetzt so dunkel gebliebene akustische Problem des Klanges phy¬ sisch und physiologisch, wie mir scheint, genügend gelöst. Meine Theorie des Klanges lässt sich kurz in folgenden Worten zusammenfassen: Alle Schälle haben Klang und Ton. In den einfachen Schallherden der Natur sind immer tiefe Klänge mit tiefen Tönen, und hohe Klänge mit hohen Tönen verbunden. Im Sprachorgan ist aber der Schallherd nicht, wie in der Natur, als einfach zu betrachten. Er ist doppelt. Der Schall entsteht mit dem Ton im Kehlkopf, erst in der Mundhöhle wird ihm der hörbare Klang ertheilt. Dies geschieht aber nach Belieben in der Art, dass, den Naturschällen entgegengesetzt, tiefe Klänge mit hohen Tönen, und hohe Klänge mit tiefen Tönen gepaart werden können, was jedoch im Gesang nicht so bequem ist, als wenn tiefe Klänge mit tiefen Tönen und hohe Klänge mit hohen Tönen Zusammentreffen. Diese Thatsachen liefern den Beweis, dass tiefe Klänge durch grössere Schwingungsweiten, höhere da¬ gegen durch engere bedingt werden. Denn offenbar erfolgen sie schmäler in den hohen Tönen und breiter in den tiefen. Umgebung der Schallherde. Eingeschlossene Räume, in welchen der Schall entsteht oder aufgefangen wird, üben einen entschiedenen Einfluss auf den Klang aus; so gewisse wieder¬ hallende Hallen, die langen schmalen Gänge (Corridore) in den Gebäuden, die Felsenhöhlen, Gewölbe, Tunnel, eine leere Tonne, eine Flasche, die man füllt u. s. w. Die Schwingungsweite der Lufttheilchen wird in solchen Räumen durch ihre verschiedenen Wände, wie in der Mundhöhle durch die ihrigen, manniclifach verändert. Sie kreuzt sich mit der Schwingungsweite anderer, was nicht blos bei den grossen und kleinen Wasserwellen, son¬ dern auch selbst bei den Tönen geschieht, wie man z. B. bei der sich füllenden Flasche verschiedene gleichzeitig hervorge¬ brachte Töne ganz deutlich unterscheidet: eine Fähigkeit der Luftschwingungen, welche besonders in den Fugen grosser musi-