Klang, 65 den menschlichen Sprachorganen recht wahrnehmbar vorkommt. Die menschlichen Sprachorgane sind aber dreifach. Wie bei der Beleuchtung des Sprachmechanismus ausführlicher dargethan werden soll, bestehen sie erstens aus der Mundhöhle (cavitas ons), welche allein die verschiedenen Sprachlaute hervor¬ bringt; zweitens aus der Nasenhöhle (cavitas nasalis), welche den Sprachlauten blos den Metallklang verleiht, und drittens aus dem Kehlkopf (.Larynx) in welchem, ebenfalls allein, die Stimme entsteht. Diese drei Organe sind durch die Kehlhöhle (Pharynx — Rachen ist ein hässliches Wort!) ziemlich weit von einan¬ der getrennt, so dass die Thätigkeit des einen nicht nothwendig an die Thätigkeit des anderen gebunden ist. Der Klang wird durch die verschiedenen Stellungen der Mundhöhle und der Nasenhöhle bestimmt, dahingegen der Ton dem Kehlkopf und eigentlich der in demselben enthaltenen Stimm¬ ritze (Rima glotticlis) seine Entstehung verdankt. Indem aber die Stimme durch die Mundhöhle allein, oder gleichzeitig durch die Nasenhöhle zur freien Luft gelangt, so lässt sich leicht be¬ greifen, dass eben diese Höhlen ihr bei dem Durchströmen einen von dem Ton unabhängigen, ja sogar einen ihm entgegengesetz¬ ten Klang zu geben vermögen. Obwohl die Kehl höhle selbst nicht ohne Einfluss auf den reinen Klang der Stimme bleiben kann, so kommt ihre eigene Thätigkeit hier deshalb doch nicht in Betracht, weil diese Thä¬ tigkeit immer von den drei anderen Höhlen abhängt, und sich für das Gehör durch keine besonderen Merkmale kund giebt. Die Kehlhöhle kann dafür in Bezug auf die Stimme als Eins mit dem Larynx angesehen werden. Sie erfordert mithin hier keine weitere Berücksichtigung. Unvernehmbarkeit der reinen Stimme. Die reine Stimme, wie sie in dem lebendigen Kehlkopf gebildet wird, hören wir nie. Könnte man sie unmittelbar vernehmen, wie sie aus dem Kehlkopf entfliesst, oder auch wie sie zuerst in die Kehlhöhle gelangt, so würden wir in derselben immer, wie bei den anderen musikalischen oder natürlichen Schallerscheinungen, die hohen Klänge in Verbindung mit den hohen Tönen, und die tiefen Klänge mit den tiefen Tönen gleichen Schritt haltend, wieder¬ finden. Bei unveränderten Tönen wären Veränderungen des Klanges nicht möglich. 5