Quer- und Längsschwingungen. 49 Dieser Querschwingung der Theilchen entgegengesetzt ist die Längsschwingung, die sogenannte Longitudinalbewegung, welche zum Theile ganz andere Erscheinungen darbietet als die Transversalbewegung. Führen wir auf das Ende eines Stabes in der Längsrichtung einen Schlag, so werden wir einen Schall erregen, was offenbar den Schluss gestattet, dass in diesem Stabe eine Wellenbewegung statt¬ gefunden hat. Dass eine solche Bewegung stattfinden kann, wissen wir von der Lehre der Molecularbewegung her, denn es ist Ihnen erinnerlich, dass die Molecule innerhalb enger Grenzen pendelartige Schwingungen um ihre Ruhelage ausführen können. Eine zutreffende Vorstellung des hierbei stattfindenden Vorganges wird sich aus folgender Betrachtung ergeben. 1 2 7 4 5 6' 7 8 9 10 ■I '1 12 1 ’3 14 15 1 Fig. 3g. Denken wir uns eine Röhre und eine Zahl von — sagen wir — 16, in derselben in gleichen Abständen vertheilten, passenden, leicht verschieblichen Scheibchen (Fig. 39). Zwischen je zwei solchen Scheib¬ chen befinde sich eine sehr elastische, mit den Scheibchen ver¬ bundene Masse von durchaus gleicher Beschaffenheit. Die Scheib¬ chen stellen Querschnitte der Molecularschichten, die elastische Masse die Oscillationsgrenzen der einzelnen Molecule vor, innerhalb deren sich dieselben zusammendrücken und ausdehnen lassen und dadurch jene Eigenschaft bethätigen, die sie besitzen müssen, um Theile eines elastischen Körpers sein zu können. Um unsere Vorstellung mit dem wirklichen Vorgänge in allen Punkten congruent zu machen, müssen wir uns endlich denken, dass die Röhre selbst alle sogleich zu schildernden Bewegungen der Scheibchen und des sie verbindenden elastischen Mittels mitmacht; ja noch pré¬ ciser gesagt, dass Röhre, Scheibchen und das elastische Mittel aus genau einem und demselben Stoffe bestehen. Wenn nun durch einen Stoss auf das Scheibchen 1 dasselbe in die Richtung gegen B gedrängt wird, so wird die zwischen 1 und 2 befindliche elastische Masse zusammengedrückt werden. Es entsteht Zellner, Vorträge über Akustik. I. 4