164 C. Stumpf. [LIX. 1741 So entsteht eine Zwickmühle: einerseits müssen in Konsequenz der KRUEGERSchen Theorie Konsonanz und Dissonanz gerade in diesen hohen Regionen besonders ausgeprägt sein, anderer¬ seits vermehrt sich hier immer mehr die Zahl der ,,kritischen Intervalle“, die wiederum in Konsequenz der Theorie vollkommene Konsonanzen sein müfsten, es aber nicht sind. Ich denke dieser Theorie keine Zeit mehr zu widmen. Nicht wenige richtige oder beachtenswerte und anregende Einzelheiten in Kruegers Ausführungen erkenne ich nach wie vor an. Das Prinzip jedoch mufs ich für vollständig verfehlt erachten, da eben bei Intervallen einfacher Töne, die gröfser sind als die kleine Terz, keine fünf Differenztöne existieren, und da man, auch wenn sie vorausgesetzt werden, zu Folgerungen kommt, die den Tatsachen allerorts widersprechen. Oder sollte es in der Psychologie noch andere allgemeine Vorschriften der Forschung geben als: gut zu beobachten und richtig zu schließen ? Fast möchte man’s denken, wenn man das Verzeichnis der üblen Gewohnheiten überblickt, an denen mein wissenschaftliches Denken nach Krueger laboriert, als da sind : Objektivismus, Atomismus, abstrakter und atomistischer Dogmatismus, dogmatischer Absolutismus, dinghafte Hyposta¬ sierung, isolierende Verdinglichung, Identitätsvorurteil, Mono¬ ideismus. Das mögen nun wohl alles nur wechselnde Ausdrücke für einunddieselbe falsche Betrachtungsweise sein. Aber auch Intellektualismus, roher Empirismus und weitgehender Nativis¬ mus kommen hinzu, womit doch wohl wieder andere Fehler, sogar unter sich entgegengesetzte Fehler gemeint sein müssen. Es fehlen nur noch Animismus und Fetischismus. In den drei letzten Abhandlungen Kruegers wimmelt es von solchen An¬ klagen, und wenn ich auch andererseits das damit kaum ver¬ einbare Lob der ,.gewohnten Selbstkritik“, das beste, das ich mir nur wünschen mag, erhalte, und überdies einen guten socius malorum in Helmholtz habe, der gleichfalls des dogmatischen Objektivismus schuldig befunden wird, so mufs ich mir doch wie jenes kranke Pferd erscheinen, an dem der Tierarzt alle vor¬ kommenden Gebrechen zu demonstrieren in der Lage ist. Das alles, seitdem ich Kruegers Konsonanztheorie auf Grund doch nicht ganz verächtlicher, sachlicher Erwägungen zu bekämpfen mich gezwungen sah. Wie leicht könnte ich nun mit ,,Assozia-