158 C. Stumpf. [LIX. 168] also ausschliefslich eine Vermehrung des Tonbestandes hier, wie bei den Oktaven, stattfindet : wie sollte sich der Eindruck verschlechtern oder überhaupt gegen die Dissonanz hin verändern und nicht vielmehr auch hier, soweit die Gefühlsseite in Betracht kommt, nur eine angenehmere Fülle gewinnen ? Dafs der Gefühlseindruck eines dissonanten Intervalles durch die dissonanten, der eines konsonanten durch die konsonanten Kombinationstöne (und eventuell Obertöne) mitbedingt ist, er¬ kenne ich ohne weiteres an. Bei 8:11 möchte ich z. B. selbst dem üblen Summationston 19, welchen Krueger gerade nicht heranzieht, einen gewissen Einflufs zuschreiben, aber auch den Verhältnissen, die zwischen den Differenztönen und dem höheren Primärton bestehen (3 : 11, 5: 11); einen Einflufs freilich nicht auf die Konsonanz der Primärtöne, aber auf die Gefühlsemp¬ findungen und Gefühle, die mit dem ganzen Klangkomplex ver¬ bunden sein können. Ich leugne jedoch mit aller Entschieden¬ heit, dafs die Anzahl der Töne als solche einen verschlech¬ ternden Einflufs hat. Es kommt nicht blofs darauf an, wie¬ viele, sondern vor allen Dingen, welche Töne aufser den Primär tönen vorhanden sind. Plier liegt eben der Unterschied der beiden Theorien. Nach meiner Auffassung sind die durch die Differenztöne 3 und 5 hinzukommenden Verhältnisse 3:11 und 5 : 11 ebenso an sich dissonant wie es schon das Ver¬ hältnis der Primärtöne 8:11 ist. Nach Krueger dagegen sind alle Verhältnisse, wenn sie nicht Schwebungen und Zwischentöne bilden, neutral, und so ist nicht der geringste Grund, warum durch das Hinzutreten der Töne 3, 5, 2, 1 eine Annäherung an den Dissonanzeindruck entstehen soll. Nur in einem Falle mag die wachsende Anzahl der Klang¬ komponenten in sich selbst dem Hörer verdriefslich werden : wenn ihm nämlich gerade die Aufgabe gestellt wäre, sie zu zählen, oder wenn er spontan das Bedürfnis fühlte, sie alle im einzelnen klar zu überschauen, und es ihm nicht gelingen will. Darum pflegen exotische Individuen unserer Musik gegenüber so oft zu mit seiner feinen und reichen Akkordbewegung geschehen ? Nur das wird man bestätigt finden, daß in Hinsicht kühner Modulationen viel mehr gewagt werden kann, wenn sie zugleich mit dynamischem Wechsel ver¬ bunden werden. Aber das hat rein ästhetische Gründe und gilt auch nicht nur beim plötzlichen ppo sondern ebenso beim plötzlichen ffo.