86 Karl L. Schaefer. [Char.-Ann. 660/661] Es ist aber einer Reihe von Untersuchungen, die ich vor etlichen Jahren im Psychologischen Institut der Berliner Uni¬ versität in Gemeinschaft mit dem aufsergewöhnlich musikalischen und durch den Besitz des absoluten Tonbewufstseins zur Klang¬ analyse hervorragend befähigten sowie darin geübten Herrn Dr. Otto Abraham ausführen konnte, Vorbehalten geblieben, den in vielen Fällen überaus einfachen Nachweis zu führen, dafs die Unterbrechungstöne keinerlei Handhabe zu Angriffen gegen die HELMHOLTzsche Hörtheorie liefern, insofern sie teils rein physi¬ kalisch aufserhalb des Ohres entstehen, teils gewöhnliche Diffe¬ renztöne sind. Ja, man darf sagen, dafs die Lehre von den Variations- und Unterbrechungstönen in ihrer gegenwärtigen Gestalt sogar in gewissen Punkten eine neue und feste Stütze der Resonanzhypothese darstellt. Um zu diesem Resultate zu gelangen, war es freilich unerläfslich, die verschiedenen Arten, in welche die Unterbrechungstöne nach ihrer Entstehungsweise zerfallen, einzeln aufs sorgfältigste vorurteilslos und systematisch zu untersuchen. Die einfachste Methode, um Unterbrechungstöne zu erzeugen, dürfte die Benutzung der sogenannten SEEBECKschen Sirene zu dem genannten Zwecke sein. Es ist dies eine dünne, kreis¬ förmige Scheibe aus Holz, Metall oder Pappe, die vertikal auf einer durch ihren Mittelpunkt gehenden horizontalen Achse be¬ festigt und mit mindestens einem Kreise von gleichgrofsen, gleich¬ weit voneinander abstehenden Löchern versehen ist. Wird die Scheibe mittels eines an der Achse angreifenden Schnurlaufes in Rotation versetzt und der Löcherkreis (dessen Mittelpunkt das Zentrum der Scheibe ist) dabei durch eine Röhre mit dem Munde oder sonst einer Blasevorrichtung angeblasen, so dafs jedesmal, wenn eines der Löcher an der Röhrenmündung vor¬ beikommt, ein Luftstofs durch die Scheibe dringt, so hört man einen Ton, dessen Schwingungszahl gleich der Anzahl der in einer Sekunde stattfindenden Luftstöfse oder, was auf dasselbe hinausläuft, gleich der Anzahl der pro Sekunde die Anblase¬ röhre passierenden Löcher ist. Dieser Ton ist der Primär¬ ton. Werden nun in regelmäfsiger Anordnung eine An¬ zahl Löcher des Kreises verklebt oder verstopft, so dafs Gruppen von offenen und verschlossenen Löchern miteinander alternieren, so entsteht beim Anblasen der rotierenden Sirene neben dem Primärton ein mehr oder weniger lauter Unter-