84 Karl L. Schaefer. [Char.-Ann. 658/659] bekannte, vor einigen Jahren verstorbene Pariser Akustiker und Instrumentenmacher, der letzteren Gruppe von Tönen besonderes Interesse zugewandt, und im Anschlufs an seine Versuche ist es dann in den letzten Dezennien zur Entwicklung einer eigenen Literatur über diesen Gegenstand gekommen. Die Unterbrechungstöne entstehen nur unter ganz speziellen Versuchsbedingungen, sozusagen in Ausnahmefällen. Ihre prak¬ tische Bedeutung ist daher gering. Um so wichtiger sind sie aber für die Theorie des Hörens geworden, insofern man bis vor wenigen Jahren ganz allgemein der Ansicht huldigte, dafs ihre Existenz einen unlösbaren Widerspruch gegen die im übrigen so plausible, elegante und befriedigende HELMHOLTzsche Reso¬ nanzhypothese bedeute. Wenn eine n-rnal pro Sekunde in regel- mäfsigen Zeitabständen erfolgende Unterbrechung eines einfachen Primärtones zu der Wahrnehmung eines sekundären Tones von der Schwingungszahl n Veranlassung gibt — dies eben ist der „Unterbrechungston“ —, dann ist damit bewiesen, so argumen¬ tierte man, dafs die blofse Zerlegung eines Tones in periodische Abschnitte die Ursache einer neuen Tonempfindung werden kann, während der Resonanzhypothese zufolge das Ohr lediglich solche Töne wahrzunehmen vermag, welche als physikalische Kompo¬ nenten, in Form von Pendelschwingungen, in der die Basilar- membran von aufsen her treffenden Klangwelle enthalten sind. So hat schon im Jahre 1876 Rudolf Koenio in seiner Abhand¬ lung „Über den Zusammenklang zweier Töne“ 1 auf Grund von Experimenten die Behauptung auf gestellt, dafs periodische Inter¬ mittenzen eines Tones bei genügender Frequenz und Stärke ganz ebenso wie primäre Impulse in einen Ton übergingen ; es wären dazu nicht einmal vollständige Pausen nötig, vielmehr genüge schon ein gleichförmiges Auf- und Abschwanken der Intensität des primären Tones, um die Wahrnehmung eines „Intermittenztones“ hervorzurufen. Ganz ähnlich hat sich L. Her¬ mann später geäufsert, der bekanntlich seine Vokaltheorie in Be¬ ziehung zu den Unterbrechungstönen bringt.2 Ein Vokal ist nach Hermann nur ein intermittierender oder oszillierender Mund“ ton; erfolgt die Oszillation beispielsweise 131 mal in der Sekunde, 1 Foggendorffs Annalen 157, S. 177 ff. 2 Vgl. die verschiedenen Abhandlungen Hermanns zur Lehre von den Vokalen in Pflügers Archiv 45 ff.